TV-Debatte in den USA: 'Super Bowl' für die Politik

Amerikanische TV-Duelle: Angst vor Patzern

Barack Obama ist in Klausur, auch Mitt Romney ist abgetaucht. Politische Nachrichten in Washington - derzeit Fehlanzeige. Bis zur ersten TV-Debatte im US-Präsidentenwahlkampf am Mittwochabend (Donnerstag, 3.00 Uhr MESZ) ist das politische Getriebe der 'Weltmacht Nummer eins' praktisch zum Erliegen gekommen. Amerika im Ausnahmezustand: Millionen Menschen fiebern dem ersten TV-Duell entgegen.

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Fünf Wochen vor den US-Wahlen treffen Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney in einer ersten TV-Debatte aufeinander. © dpa, Kamil Krzaczynski

"Es ist ein extrem seltener Augenblick, wenn vor einem Ereignis alle und alles zum Stillstand kommen", schreibt die 'Washington Post'. Man spricht von einem "kulturellen Happening", nennt es auch den "Super Bowl für die Politik", in Anlehnung an das jährliche Football-Großereignis. Dabei betonen Experten, bei den Rededuellen gehe es eher um die Quoten der TV-Sender denn um wirkliche wahlentscheidende Ereignisse. Die allermeisten Wähler wüssten schon vor dem ersten Showdown, wo sie am 6. November ihr Kreuz machen werden.

Auch die Kandidaten haben bei den Debatten mehr Angst vor Patzern als die Hoffnung auf zusätzliche Stimmen. Romney lieferte in den Vorwahl-Debatten einige davon, etwa als er seinem Kontrahenten Rick Perry eine 10.000-Dollar-Wette anbot, womit er sein Image als abgehobener Multimillionär noch verstärkte. Auch das Wahlkampfteam von Obama fürchtet sich vor verbalen Ausrutschern. Denn die mehr als 50-jährige Geschichte der TV-Duelle in den USA lieferte zahlreiche Beispiele, wie Kandidaten mit misslungenen Pointen und unsicherer Mimik sich selbst ein Bein stellten.

So wirkte etwa Vizepräsident Richard Nixon 1960 eigenartig unrasiert und die Farbe seines Anzugs zu matt und blass im Gegensatz zu seinem gutaussehenden und dynamischen Kontrahenten John F. Kennedy. Präsident Gerald Ford verstieg sich 1976 zu der Aussage: "Es gibt keine sowjetische Vorherrschaft in Osteuropa." Und John McCain machte 2008 einen wenig sympathischen Eindruck, als er mit dem Finger auf Obama zeigte und ihn als "That One" ("Dieser da") bezeichnete, anstatt ihn beim Namen zu nennen. Obamas Wahlkampfteam drehte daraufhin den Spieß um und verkaufte im Internet T-Shirts und Aufkleber mit dem Slogan "That One".

Romney setzt auf 'Zinger' – Obama winkt cool ab

Romney arbeitet daher laut seinen Beratern seit Wochen intensiv an einer Strategie. Mehrfach unterbrach er seine Wahlkampftour, um rhetorische Manöver gegen Obama einzustudieren. Er trainiert mit dem eloquenten Senator Rob Portman aus Ohio. Es habe nie einen Kandidaten gegeben, der die Debatten so ernst nehme, meinen Experten. So heißt es etwa, dass Romney vor allem auf 'Zinger' setzen will - auf kurze, scharfe Bemerkungen, mit denen er Obama aus dem Gleichgewicht bringen will.

Doch da winkt dieser nur cool ab. "Ich weiß, dass die Leute schon darüber spekulieren, wer die besten Zinger hat", sagte Obama gelangweilt. Im Klartext: Auf solche Sprüche werde er gar nicht erst eingehen. Und seine Wahlkampf-Sprecherin verrät noch mehr. Obama wolle in der Debatte nicht in erster Linie auf seinen Gegner eingehen oder auf den Moderator. "Er spricht direkt zum amerikanischen Volk." Der Präsident hat nach Aussage seines Stabs wesentlich weniger Gelegenheit zur Vorbereitung als erhofft und setzt voll auf die Wochenenden unmittelbar vor den einzelnen Debatten. Er suchte sich für sein Training den Ex-Präsidentschaftskandidaten John Kerry aus. Der trat 2004 gegen den damaligen Amtsinhaber George W. Bush selbst in TV-Duellen an.

Im Mittelpunkt des eineinhalbstündigen Rededuells am Mittwochabend stehen die Wirtschaftspolitik und die hohe Arbeitslosigkeit in den USA. Obama und Romney werden vom Moderator Jim Lehrer befragt. Pro Frage erhält der Kandidat zunächst zwei Minuten für die Antwort. Schöpfen sie die Zeit nicht aus, kann der Moderator die Diskussion vertiefen. Die zweite Debatte findet am 16. Oktober statt. Es handelt sich um ein 'Town Hall Meeting', ein Bürgertreffen, bei dem die Zuschauer die Fragen stellen. Das dritte und letzte TV-Duell am 22. Oktober steht im Zeichen der Außenpolitik. Vize-Präsident Biden und Ryan treffen am 11. Oktober aufeinander.


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