USA: Riskanter Onlinehandel mit Muttermilch

09.01.2012 | 07:15
USA: Riskanter Onlinehandel mit Muttermilch Nicht jede Mutter kann ihr Baby stillen - in den USA suchen jetzt immer mehr Frauen online nach Muttermilchspenderinnen.

Verunreinigte Milch kann Infektionen auslösen

Wenn eine Mutter ihr Baby nicht stillen kann, greifen die Eltern meist auf künstliche Muttermilch zurück. Dabei bietet die echte Muttermilch zahlreiche Vorteile, nur sie gibt dem Säugling in den ersten sechs Monaten alles, was er braucht. Deshalb gibt es auch Möglichkeiten, an echte Milch zu kommen – zum Beispiel über eine Milchbank. Weil hier die Kosten aber relativ hoch sind, hat sich in den USA ein neuer Trend ergeben: Über das Internet bieten Frauen ihre Brustmilch direkt an, Portale vermitteln den Kontakt zwischen ihnen und bedürftigen Familien. Doch die Behörden warnen vor großen Risiken.

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Mütter von frühgeborenen oder kranken Säuglingen, von Mehrlingen sowie Mütter, die nicht stillen können, weil sie etwa Medikamente einnehmen müssen, finden bei Seiten wie Eatsonfeets.com oder Onlythebreast.com Inserate von spendewilligen Frauen. Das Geschäft mit der Muttermilch blüht: Der Preis wird direkt in der Anzeige angegeben, die Milch wird entweder bei einem Treffen frisch übergeben oder ist tiefgekühlt.

Wie der 'ORF' online berichtet, gibt es auch in den USA wie in Europa ein gut ausgebautes Netz von Milchsammelstellen. Hier wird die Milch vor der Weitergabe kontrolliert und pasteurisiert. So wird das Risiko von Infektionen vermindert, dafür steigen die Kosten der Prozedur. Während der Preis in den US-Online-Portalen pro Unze (30 ml) bei unter zwei Dollar liegt, müssen amerikanische Mütter bei diesen offiziellen Stellen aber mehr als vier Dollar zahlen. Daher nehmen viele Frauen das Risiko einer ungeprüften fremden Muttermilch in Kauf.

20.000 Dollar im Jahr mit 'flüssigem Gold'

Verunreinigte Milch kann Infektionen auslösen In Online-Portalen wie diesem wird mit der Muttermilch gehandelt.

In den USA ist der private Verkauf von Muttermilch rechtlich kein Problem, da das 'flüssige Gold', wie es in einer Anzeige beschrieben wird, als Lebensmittel eingestuft ist, berichtete 'Wired'. Eine Studentin erzählte dem US-Magazin, dass bis zu 20.000 Dollar im Jahr durch den Verkauf von Muttermilch möglich sind. Als junge Mutter habe sie sonst keine Chance auf einen Job.

Kinder, die gestillt werden, erkranken nachweisbar seltener an Infektionskrankheiten. Denn neben der optimalen Nährstoffkombination enthält Muttermilch auch eine Fülle an Immunfaktoren. Darüber hinaus gehen Antikörper, die aufgrund eines Infekts im Körper der Mutter gebildet werden, auf die gestillten Kinder über. Dadurch werden die Babys zusätzlich geschützt. 'Wir legen deshalb großen Wert darauf, dass Mütter ihre Kinder mit Muttermilch ernähren', erklärt Professor Christian P. Speer, Direktor der Universitätsklinik in Würzburg.

Doch nur wenn man sich an offizielle Muttermilchsammelstellen wendet, die den richtigen Umgang mit der Milch kennen, kann man Risiken minimieren.

Bildquelle: MEV / Horn