Vuvuzela-Protest soll Wulffs Zapfenstreich übertröten

Kritiker wollen Wulff "den Marsch blasen"

Noch nie war ein Zapfenstreich so umstritten. Die Liste derer, die nicht zur feierlichen Verabschiedung des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff kommen, ist lang. Doch der Protest gegen Wulff und 'seinen letzten Streich' reißt nicht ab.

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Mit Vuvuzelas gegen Wulffs Zapfenstreich
Bekannt wurden die Vuvuzelas zur Fußball-WM in Südafrika. Jetzt sollen sie als Protestinstrument beim Großen Zapfenstreich für Christian Wulff dienen. © dpa bildfunk

Erst hagelte es massenhaft Absagen, jetzt könnte die Abschiedszeremonie für Christian Wulff unter dem Getröte zahlreicher Vuvuzelas untergehen. Denn Kritiker des Ex-Bundespräsidenten wollen dessen feierliche Verabschiedung mit dem wenig feierlichen Klang der seit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika bekannten Lärminstrumente begleiten.

Im Internet riefen sie dazu auf, heute Abend vor Schloss Bellevue zu erscheinen und dann mehr als eine Stunde lang die Vuvuzelas anzustimmen. Die extra dafür eingerichtete Facebook-Seite führt ein Programm mit "langsamen Anblasen" über "würdevollem Unterblasen des Fackelzuges" bis hin zum "majestätischen Nachblasen" auf. Bisher zählt die Seite 8.000 'Fans‘, ihre feste Zusage zur Teilnahme an der Protestaktion gaben bislang knapp 200 Menschen.

Die erste Idee zu der Aktion kam von dem Journalisten und Blogger Mario Sixtus, der bei Twitter schrieb: "Ich könnte mir vorstellen, dass viele Bürger dieses musikalische Ereignis mit ihren Vuvuzelas unterstützen wollen". Später schrieb er, es sei doch verständlich, dass in einem demokratischen Land das Volk dem Ex-Präsidenten "gerne den Marsch blasen würde". Jetzt wurde bereits getwittert, dass die Vuvuzelas in Berlin ausverkauft seien.

SPD und Grüne fehlen komplett

Die Teilnahme an der militärischen Feier sagten laut einem Bericht der 'Bild'-Zeitung mehr als 160 der 369 geladenen Gäste ab. Unter ihnen seien der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, und sein Vizepräsident Ferdinand Kirchhof. Schon früher war bekanntgeworden, dass Wulffs Vorgänger Walter Scheel, Roman Herzog, Richard von Weizsäcker und Horst Köhler nicht dabei sind.

Eine "Selbstverständlichkeit" sei die Teilnahme am Großen Zapfenstreich dagegen für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Darin drückt sich der Respekt vor dem höchsten Amt aus, das unser demokratischer Staat zu vergeben hat", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Eine Rede wird Merkel jedoch nicht halten. Auch die meisten ihrer Minister werden teilnehmen. Die Ehrung ist wegen der Umstände des Rücktritts und der Vorwürfe gegen Wulff umstritten. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Verdachts der Vorteilsannahme, heute erhielt sie die letzten Akten von der niedersächsischen Staatskanzlei für das Ermittlungsverfahren.

Die Partei- und Fraktionsspitzen von Koalition und Opposition waren zu der Zeremonie nicht eingeladen worden, wohl aber das Bundestagspräsidium. Aber auch die Bundestags-Vizepräsidenten Wolfgang Thierse (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) bleiben dem Großen Zapfenstreich fern. Das bestätigten die Fraktionen von SPD und Grünen. Damit werden Spitzenpolitiker von Rot-Grün bei der militärischen Verabschiedung des zurückgetretenen Bundespräsidenten komplett fehlen.


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