WHO: Vogelgrippevirus H7N9 von zu Mensch zu übertragbar

19.04.2013 | 13:23
China, Vogelgrippe, H7N9-Virus, Influenza-Virus, WHO In China erfreut sich Geflügelfleisch großer Beliebtheit - was die Ansteckungsgefahr drastisch erhöht.

"Die Situation ist sehr schwer einzuschätzen"

Droht uns nach der Schweinegrippe-Pandemie 2009 nun eine kontinent-übergreifende Ausbreitung des neuen Vogelgrippevirus H7N9? Bislang hieß es immer, dass der H7N9-Erreger nur von Tier zu Mensch übertragen werden kann. Doch diese Annahme hat sich nun als falsch herausgestellt. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in "seltenen Fällen" auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Bisher wurden nur Krankheitsfälle in China bekannt, doch im Zuge der Erkenntnisse sei auch eine Ausbreitung des Vogelgrippeerregers auf andere Länder möglich, so der Präsident des Friedrich-Loeffler-Institus, Thomas Mettenleiter.

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Das chinesische Gesundheitsministerium geht zurzeit von 87 mit dem Virus infizierten Menschen aus. 17 von ihnen sind bereits verstorben. Und täglich werden weitere Infizierte gemeldet. Besonders beunruhigend ist dabei, dass Wissenschaftler und Experten bisher nur wenig über das neue H7N9-Virus wissen. "Wir können zur Infektionsquelle bisher nur wenig sagen. Der Erreger ist bislang in Hühnern und Tauben nachgewiesen worden. Wir können weder sagen, wie weit der Erreger verbreitet ist, noch wie viele Tiere infiziert sind. Das ist eine Situation, die sich sehr schwer einschätzen lässt. In China wird viel Geflügelfleisch gegessen. Man kann also nicht nur durch den Beruf mit Geflügel und Geflügelprodukten in Kontakt kommen", sagte Mettenleiter.

In den jüngst bekannt gewordenen Fällen, in denen eine Mensch zu Mensch Übertragung stattgefunden hatte, verbreitete sich das Virus laut WHO aller Wahrscheinlichkeit nach unter engen Familienangehörigen. Es handle sich um einen Vater und seine beiden Söhne, die zweite Gruppe sei ein Vater mit seinem Kind und die dritte seien ein Mann und seine Frau. "Bislang ist es aber ein Tiervirus, das in wenigen Fällen auf Menschen überspringt", so WHO-Experte Michael O’Leary.

Doch laut Mettenleiter taucht H7N9 längst nicht mehr nur in und um Shanghai auf, sondern auch in anderen chinesischen Provinzen und scheint damit weiter verbreitet zu sein. Auch ein Übergreifen auch andere Länder sei nicht unmöglich. "H7N9 ist ein Influenzavirus und kann sich wahrscheinlich wie H5N1 in Vogelpopulationen etablieren. Ein Gefährdungspotenzial ist also grundsätzlich gegeben."

27.000 Puten im Landkreis Osnabrück gekeult

Gleichwohl gehe WHO-Experte O‘Leary nicht davon aus, dass es eine größere Übertragung zwischen Menschen gebe. "Es ist nicht untypisch für diese Art von Viren, dass es in einigen wenigen Fällen auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt." Bislang seien mehr als 1.700 enge Kontaktpersonen der infizierten Patienten in China untersucht worden. Mit Ausnahme der drei Gruppen sei bei niemandem das Virus nachgewiesen worden.

Dennoch befindet sich ein internationales Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation in China. Der Gruppe gehören insgesamt 15 Wissenschaftler an, von denen fünf von der chinesischen Gesundheitsbehörde stammten, wie O'Leary weiter sagte. Außerdem seien Experten aus Europa, den USA, Australien und Hongkong darunter sowie fünf Wissenschaftler der WHO. Die chinesische Regierung habe eine Route für das Team vorbereitet. Es soll eine Woche in China bleiben, und unter anderem Labore, Krankenhäuser und betroffene Regionen besuchen.

Eine Kernaufgabe der Mission sei, die Infektionswege des Virus genauer zu untersuchen, sagte O'Leary. Bislang sei nur bei etwas mehr als der Hälfte der Infizierten ein direkter Kontakt zu Geflügel nachgewiesen worden. Daher sei es nun ein Ziel, herauszufinden, ob es noch andere Infektionswege gebe.

Erst gestern wurden im Landkreis Osnabrück 27.000 Puten aus zwei Betrieben getötet, weil sie mit einer milden Form der Vogelgrippe infiziert waren. Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und das Friedlich-Loeffler-Institut bestätigten den Verdacht auf die Infizierung mit dem Typ H7 der Grippe. Eine Gefahr für den Menschen bestehe bei dieser milden Form jedoch nicht.

Bildquelle: dpa bildfunk