Wie deutsche Zoo-Löwen in Südafrika zum Abschuss freigegeben werden

Wie deutsche Zoo-Löwen in Südafrika zum Abschuss freigegeben werden

Erste Beweisstücke führen nach Südafrika

Sie werden in Zoos gezüchtet, um dann von Hobbyjägern abgeschossen zu werden. Eine kleine Raubkatze kostet 2500 Euro, für einen deutschen Löwen werden bis zu 100.000 Euro gezahlt. In einem Gehege werden die Tiere ausgesetzt und angefüttert, damit sie nicht mehr so gefährlich sind - und dann ganz einfach abgeknallt. "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer schleust sich in die blutige Szene ein und gibt sich als Geschäftsmann ohne Jagderfahrung aus.

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Die Recherche beginnt auf der Jagdmesse in Salzburg. Hier sind alle großen Jagdveranstalter vertreten. "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer gibt vor, am Abschuss eines Löwen interessiert zu sein. Die tote Raubkatze möchte er sich angeblich als Trophäe in das Wohnzimmer stellen. Ob er einen Jagdschein und Waffenschein hat, interessiert niemanden, denn das Geschäft mit der Jagd boomt. Von Elefanten über Nashörner bis hin zum Eisbären - alles steht bei Bezahlung auf der Abschussliste. Der "Punkt 12"-Reporter holt weitere Angebote für seine Löwenjagd ein. Innerhalb von 20 Minuten erhält er ohne Probleme vier Löwenjagdangebote. Es ist wie einkaufen im Supermarkt.

Zurück im Büro recherchiert "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer weiter. Er hat Hinweise bekommen, dass Löwen, die reichen Hobbyjägern vors Gewehr getrieben werden, tatsächlich aus deutschen Zoos stammen sollen. Der international tätige Tierschützer Markus Müller unterstützt ihn vor Ort bei der Suche nach Hinweisen - und findet bald einen ersten Beweis: Offizielle Handelspapiere für gefährdete Tierarten, ausgestellt von der Umweltbehörde in Südafrika. Es ist eindeutig zu erkennen, dass ein deutscher Zoo drei Löwen nach Südafrika verkauft hat. Am 4. November 2009 verlassen die Tiere Deutschland.

Das sogenannte "canned hunting" - das Jagen in einem eingezäunten Gehege - ist besonders brutal und hinterhältig, ein regelrecht feiges Abschlachten. Immer wieder verwundet der unerfahrene Schütze das Tier, bis es schließlich stirbt - und zur Trophäe für das heimische Wohnzimmer wird. "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer macht sich selber auf den Weg nach Südafrika. Die erste Station ist das südfranzösische Toulouse. Dort erwartet ihn Markus Müller von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". Ein erster Erfolg: Die beiden Löwen Manio und Manion waren für Jäger in Südafrika bestimmt. Doch den vier Jahre alten Geschwistern bleibt dieses Schicksal erspart. Die Suche nach den deutschen Löwen wird genutzt, um diese Raubkatzen nach Südafrika in ein friedliches und weitläufiges Reservat zu bringen. Für den Flug werden sie betäubt, um dann in Transportkäfige verladen zu werden. Die Reise geht weiter in die Schweiz und von dort aus mit dem Flugzeug nach Johannesburg. Nach einem elfstündigen Flug kommen sie in Lionsrock an - einem Gnadenhof für gequälte Großwildkatzen. 68 Tiere haben die Tierschützer bereits vor dem Abschuss durch skrupellose Jäger gerettet, jetzt werden es 70 sein. Die beiden Löwen Manio und Manion können hier ein neues Leben beginnen.

Tierschützer Markus Müller und "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer machen sich weiter auf die Suche nach den drei Löwen aus Deutschland. Um Kontakt mit der Szene zu kommen, machen sie einen ersten Halt an einer berüchtigten Löwenzuchtfarm. Auch hier wird für den Nachschub der Trophäenjäger gesorgt. Die beiden geben sich als jagdinteressierte Touristen aus und dürfen unter der Beobachtung eines Züchters in der sogenannten Kuschelzonen die Kleinen streicheln. In Südafrika ist die Raubkatzenzucht inzwischen ein echtes Problem, denn viele Farmer wollen an den reichen Trophäenjägern verdienen und züchten viel zu viele Tiere. 4000 Löwen werden zurzeit allein auf südafrikanischen Farmen gehalten.

Lukrative Geschäfte mit der Löwenjagd - ein Insider packt aus

Auf der Jagdfarm werden "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer und Tierschützer Markus Müller im Hotel herumgeführt, anschließend zeigt der Veranstalter voller Stolz Fotos seiner Gäste und ihrer Trophäen. Es wird auch ein Jagdvideo präsentiert. Darauf ist zu sehen, wie eine um die 50 Jahre alte Frau in einem umzäunten Gehege auf Löwenjagd geht, begleitet von zwei Profijägern. Für die ungeübte Schützin wird ein Stativ aufgestellt, sie braucht nur noch abzudrücken - und trifft den Löwen mit mehreren Schüssen. Voller Freude wird die Jägerin abgeklatscht - Küsschen rechts, Küsschen links. Der Löwe ist tot. Im Anschluss an den Film wird ein ganz persönliches Jagdangebot überreicht:

"Löwe, schwarze Mähne, männlich für 30.000 Euro. Nicht enthalten sind Munition, 70 Euro für 20 Schuss, und alkoholische Getränke sind auch nicht inklusive." Für den Veranstalter ist es kein Problem, dass die beiden Interessenten noch nie mit einem Gewehr geschossen haben. Dem Reporter wird anhand eines Prospekts der genaue Abschuss des Löwen erklärt: "Schieße niemals dem Löwen ins Herz, denn wenn du in das Herz triffst, spritz das ganze Blut herum, das Herz kann sogar explodieren. Du musst ihm in die Schulter schießen. Denn wenn die Schulter kaputt ist kann er nicht angreifen und auch nicht wegrennen. Dann hast du genug Zeit, wieder auf ihn zu schießen."

Über das schmutzige Jagdgeschäft haben "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer und Tierschützer Markus Müller genug erfahren. Jetzt kann die Suche nach den drei deutschen Löwen beginnen. Als Touristen getarnt nehmen sie an einer Safaritour teil. Die Suche dauert mehrere Stunden. Nachdem sie fast aufgegeben haben, der erlösende Moment: Die deutschen Tiere Dunkelheit, Kuma und Gusti sind wohlauf. Aber wie lange werden die drei Löwen wohl noch am Leben bleiben? Alexander Römer trifft sich mit einem Insider der Löwenjagdszene. Er erkennt auf einem Foto Dunkelheit wieder und schwärmt: "Es ist einer der besten Löwen, die ich je gesehen habe. Seine Farbe, sein Körper, dieser Löwe ist zum Jagen und der Preis für ihn liegt bei 100.000 Euro." Das ist unglaublich viel Geld. Und der Insider behauptet weiter, der Import von Löwen nach Südafrika sei kein Einzelfall: "Im vergangenen Jahr haben sie über 130 Löwen importiert. Sie gehen zu bestimmten Zoos und suchen nach schönen und kapitalen Männchen. Die Tiere sind billig, denn normalerweise haben die Zoos keine Kapazitäten mehr, die Tierparks züchten einfach zu viel. Manchmal bekommen die Jagdveranstalter die Löwen sogar kostenlos."

Zurück in Deutschland sucht "Punkt 12"-Reporter Alexander Römer den Serengetipark Hodenhagen auf. Geschäftsführer Fabrizio Sepe zeigt ihm das Gehege, in dem die drei Löwen Dunkelheit, Kuma und Gusti gelebt haben. Ob der Geschäftsführer weiß, dass die verkauften Löwen für die Jagd herhalten sollen? "Das wussten wir nicht, da wir an einen Händler verkauft haben", sagt Fabrizio Sepe. Der Geschäftsführer ruft den Chefveterinär dazu, er ist angeblich für alle Tierverkäufe zuständig. Doch der Tierarzt will kein Interview geben. Wenig später erreicht PUNKT 12 folgende Stellungnahme: "Uns wurde von Seiten des jetzigen Besitzer mitgeteilt, dass die Löwen für Fototourismus gehalten werden. Zukünftig sollen ihnen auch passende Partner zugestellt werden."

Das Leben der drei deutschen Löwen Dunkelheit, Kuma und Gusti scheint gerettet. Doch niemand kann sicher sagen, wieviele weitere Löwen aus deutschen Zoos in Südafrika sind - und Beute für reiche Hobbyjäger werden.


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