Wikileaks hat US-Bank im Visier

30.11.2010 | 16:09
Plant die nächsten Enthüllungen: Wikileaks-Gründer Julian Assange Plant die nächsten Enthüllungen: Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Wikileaks kündigt weiteren Coup an

Die Internetplattform Wikileaks kündigt nach den spektakulären Enthüllungen aus US-Botschaften den nächsten Coup an: Ziel ist Anfang kommenden Jahres eine amerikanische Großbank, sagt Wikileaks-Gründer Julian Assange in einem Interview des US-Magazins 'Forbes’. Die Dokumente enthüllen wohl "ungeheuerliche Übertretungen" und "unethische Praktiken".

- Anzeige -

Durch die Offenlegung des Materials eröffnen sich "wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten", sagt der Wikileaks-Gründer. "Man kann es das Ökosystem der Korruption nennen." Die Folge der Veröffentlichung dürften "vermutlich Untersuchungen und Reformen sein". "Es geht um zehntausende oder hunderttausende Dokumente, je nach Definition." Es handelt sich dabei um ein "Megaleak".

"Ich kann nur sagen, dass es klar um unethische Praktiken geht", sagt Assange. Er betont jedoch, dass noch unklar ist, ob es sich hier um kriminelle Vorgänge handelt. Man sei sehr vorsichtig damit, Leute als kriminell zu etikettieren, bis man sehr sicher sei.

Sich selber nennt der Wikileaks-Gründer einen Freund freier Märkte. "Ich sehe den Kapitalismus mit gemischten Gefühlen, aber ich liebe Märkte", sagte er 'Forbes'. "Wikileaks ist entworfen, den Kapitalismus freier und ethischer zu gestalten." Zu dem Wikileaks insgesamt vorliegenden Material sagt Assange: "Wir haben zuviel." Konkrete Angaben machte er nicht. Etwa die Hälfte davon betreffen Unternehmen. "Wir sind in einer Position, in der wir Rangfolgen einrichten müssen, und der Stoff mit der größten Wirkung wird zuerst veröffentlicht."

Clinton: Werden entschlossen gegen Wikileaks vorgehen

Wikileaks hat die ersten von mehr als 250.000 vertraulichen Dokumenten aus US-Botschaften veröffentlicht - und damit die Regierung von Präsident Barack Obama in Bedrängnis gebracht. Angela Merkel etwa wird als "Teflon"-Kanzlerin dargestellt, der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi als "eitel und unfähig" bezeichnet und der afghanische Präsident Hamid Karsai als "schwache Persönlichkeit", die von "Paranoia" getrieben ist.

Besonders brisant könnten für US-Außenministerin Hillary Clinton Anweisungen ihres Ministeriums an die US-Botschaften werden. Laut 'New York Times' sollen Diplomaten darin aufgefordert worden sein, persönliche Daten von ausländischen Führungspersönlichkeiten zu beschaffen. Clinton kündigt "entschlossene Schritte" gegen die Hintermänner des Datenklaus und schärfere Sicherheitsvorkehrungen an. Präsidentensprecher Robert Gibbs schließt nicht aus, dass die US-Regierung rechtlich gegen Wikileaks vorgeht. Es ist eine "Untertreibung", dass Obama "nicht erfreut" über die Enthüllung ist.

Clinton zeigte sich überzeugt, dass die Enthüllungen die Beziehungen zu anderen Ländern nicht belasteten. Sie nannte die Offenlegung der Depeschen einen "Angriff auf die internationale Gemeinschaft". Sie gehe aber davon aus, dass die weltweiten Partnerschaften der USA "dieser Herausforderung standhalten".

Erneut unterstrich sie, die Enthüllungen brächten Personen konkret in Gefahr. Es gehe "um echte Risiken für echte Menschen", sagte sie. "Es ist nicht Lobenswertes daran, unschuldige Menschen in Gefahr zu bringen, und es ist nicht Mutiges daran, die friedlichen Beziehungen zwischen Nationen zu sabotieren (...)."

Bildquelle: dpa bildfunk