Zukunftsstudie: Viele Deutsche sind unzufrieden und verunsichert

Lebensqualität hat zu früher abgenommen

Früher war alles besser: Dieser Satz klingt abgedroschen, dennoch spiegelt er die Meinung vieler Deutscher wieder. Denn mehr und mehr Menschen sehen ihre Zukunft mit Ungewissheit und rechnen damit, dass es in Deutschland wirtschaftlich bergab geht. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Hamburger Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski hervor, die er mit seinem aktualisiert neu aufgelegten Buch 'Deutschland 2030 - Wie wir in Zukunft leben' vorgestellt hat.

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Der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski lies für seine Studie 1.000 Menschen in Deutschland befragen. © dpa, David Fischer

Seiner Studie zufolge ist ein wachsender Teil der Deutschen schon heute überzeugt, dass die Lebensqualität im Vergleich zu früher abgenommen habe (2002: 33 Prozent, 2012: 38 Prozent). Mehr Wohlstand habe die Leute unzufrieden gemacht, sagte der 72 Jahre alte Forscher. Für die repräsentative Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos von Januar bis März 1.000 Menschen ab 14 Jahren.

Besonders unzufrieden sind demnach die Verdiener aus der Mittelschicht (43 Prozent). Aber auch die Bevölkerung auf dem Land (52 Prozent) stelle eine sinkende Lebensqualität fest - weitaus mehr als die Menschen in Großstädten (31 Prozent).

Mit Blick auf Deutschland im Jahr 2030 befürchten die meisten der Befragten negative wirtschaftliche Auswirkungen: An erster Stelle stehen Preissteigerungen (56 Prozent), gefolgt von Armut (54 Prozent) und Arbeitslosigkeit (52 Prozent).

Erstaunlich: Die Angst vor Umweltproblemen (34 Prozent) oder dem Klimawandel (37 Prozent) liegt im Vergleich dazu relativ weit entfernt. "Umweltbewusstsein gehört zur politischen Korrektheit. Sobald ökonomische Probleme zunehmen, rutscht das Umweltdenken wieder nach unten", erklärte der Trendforscher.

Forscher: Nächste große Krise 2017

"Das Ende der Anspruchsgesellschaft ist erreicht. Das Wohlstandsland Deutschland ist gefährdet wie nie zuvor", sagte Opaschowski. Die wachsende Unzufriedenheit der Menschen werde langfristig zu Wahlverdrossenheit führen.

Eine nächste größere Krise prognostiziert er für das Jahr 2017 - infolge eines "Wachstums nahe Null". Mögliche Szenarien: große Steuererhöhungen, geschlossene öffentliche Einrichtungen, eine marode Infrastruktur und eine drohende Staatspleite Deutschlands. Die vielen ungelösten Konflikte könnten dann eskalieren sieht Opaschowski voraus.

Auch in der eigenen Berufswelt sehen viele keine rosige Zukunft: Über 70 Prozent der Berufstätigen befürchten neben wachsender Unsicherheit am Arbeitsplatz höhere Belastungen durch Stress und Druck auf sich zukommen. Wenn die Einkommensschere weiter auseinanderklaffe, erwarte etwa jeder zweite Bundesbürger "sehr starke Konflikte" zwischen Arm und Reich (52 Prozent).

Doch es gibt wohl künftig auch positive Entwicklungen zu verzeichnen: Stärkere Bindungen zu Familie und Freunden werden den Deutschen einen deutlich stärkeren Halt geben. "Für viele Menschen zeichnet sich ein konsumärmeres, aber beziehungsreicheres Leben ab", Opaschowski. An Geld allein lasse sich Glück nicht ablesen: "Wachsen muss auch die Lebensqualität, nicht nur der Lebensstandard."