34 tote Muslimbrüder? Ägypten versinkt in Chaos und Gewalt

Ägypten, Gewalt, Mursi
Gewalt gegen Muslimbrüder: Offenbar gab es bei einer Sitzblockade in Kairo 34 Tote. © REUTERS, MOHAMED ABD EL GHANY

Kein Durchbruch bei Suche nach Chef einer Übergangsregierung

Seit der Amtsenthebung von Präsident Mohammed Mursi versinkt Ägypten in Chaos und Gewalt. Die Aufrufe zum gewaltfreien Widerstand verhallen ungehört, das Militär legt gegenüber den Anhängern der Muslimbrüder aber offenbar eine extreme Brutalität an den Tag.

- Anzeige -

So sind heute morgen einer Schießerei in Kairo nach Angaben der islamistischen Muslimbrüder 34 ihrer Anhänger getötet worden. Auf sie sei bei einer Sitzblockade vor einer Militäreinrichtung geschossen worden, sagte ein Sprecher der Gruppe. Die Angaben konnten bisher nicht überprüft werden.

Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise

Die Muslimbrüder demonstrieren seit Tagen gegen die Absetzung Mursis, der ihnen nahesteht. Das Staatsoberhaupt wurde von den Streitkräften gestürzt. Kritiker werfen Mursi vor, Ägypten zu islamisieren und machen ihn für die Wirtschaftsprobleme verantwortlich. Zum neuen Präsidenten wurde der Chef des Verfassungsgerichtes, Adli Mansur, ernannt. Eine Übergangsregierung gibt es dagegen noch nicht.

Bei der Suche nach einer Übergangsregierung in Ägypten hat es noch keinen Durchbruch gegeben. Gegen den neuen Favoriten für den Posten des Regierungschefs, den Sozialdemokraten Siad Bahaa El-Din, hat sich nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija die ultra-konservative Nur-Partei ausgesprochen.

El-Din sei das Amt angeboten worden, berichtete die ägyptische Zeitung 'Al-Ahram'. Der Wirtschaftsjurist sagte dem Blatt, es gebe noch keine offizielle oder endgültige Entscheidung. Die Salafisten wollen für das Amt dagegen eine politische neutrale Persönlichkeit.

Auch Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei als Vizepräsidenten lehnen sie ab, wie Al-Arabija weiter berichtete. Laut 'Al-Ahram' sollte ElBaradei dieses Amt übernehmen. Viele Ägypter stehen ElBaradei skeptisch gegenüber: Der Nobelpreisträger sei zu lange im Ausland gewesen, verstehe die Menschen im Land nicht, heißt es oft. Der Jurist trat 1964 in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. 1984 kam er zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, wo er 1997 zum Generaldirektor aufstieg. Die Geschicke der Behörde lenkte er bis Ende 2009.

Unterdessen hat das Auswärtige Amt angesichts der jüngsten Entwicklung in Ägypten seine Reisehinweise weiter verschärft. Auf der Internet-Seite des Ministeriums heißt es nun wörtlich: "Von Reisen nach Ägypten wird in der aktuellen Lage vor dem Hintergrund der sehr volatilen Sicherheitslage dringend abgeraten."

Dies betreffe nun auch Reisen in das Nildelta. Weiter ausgenommen sind die Touristengebiete am Roten Meer sowie Luxor und Assuan. Auch der Transit über den Flughafen Kairo gilt als sicher.

Hingegen wird vor Reisen ins ägyptisch-israelische Grenzgebiet sowie in den Nordsinai und in das Grenzgebiet zu Libyen ausdrücklich gewarnt. Grundsätzlich empfiehlt das Außenministerium allen Ägypten-Touristen, die Nachrichten genau zu verfolgen und Menschenansammlungen zu meiden. Zudem sei wegen der Krise seit einigen Monaten ein genereller Anstieg der Kriminalität zu beobachten, was sich zum Beispiel bei Überfällen auf Autos bemerkbar mache.