Achter Todestag von Robert Enke: Per Mertesacker erinnert sich an seinen Freund

LEIPZIG, GERMANY - MARCH 28: of Germany and of Liechtenstein battle for the ball during the FIFA 2010 World Cup Group 4 Qualifier match between Germany and Liechtenstein at the Zentralstadion on March 28, 2009 in Leipzig, Germany. (Photo by Martin Ro
Robert Enke und Per Mertesacker freuen sich nach einem Sieg über Liechtenstein. © Getty Images, Martin Rose

Robert Enke litt an Depressionen

Zum achten Mal jährt sich der Todestag von Robert Enke. Weltmeister Per Mertesacker erinnert sich an seinen guten Freund, der an Depressionen litt, und sieht eine Aufgabe, die Enke mit seinem Tod weitergegeben habe.

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Per Mertesacker: "Dass sich sein Todestag zum achten Mal jährt, erschreckt mich"

HANOVER, GERMANY - NOVEMBER 15:  Michael Ballack (L) and Per Mertesacker lay down a wreath at the coffin of their goalie Robert Enke at a memorial service prior to Enke’s funeral at AWD Arena on November 15, 2009 in Hanover, Germany. Tens of thousand
Gemeinsam mit Michael Ballack legte Per Mertesacker bei der Trauerfeier für Robert Enke einen Kranz nieder. © Bongarts/Getty Images, Bongarts

"Wenn ich zu einem Länderspiel im Hotel eintraf, gab es für mich erst einmal zwei Dinge zu erledigen: einchecken und Robert anrufen. 'Bist du schon hier? Ich bin gerade angekommen. Kommst du rüber auf mein Zimmer?' Wenige Minuten nach unserer Ankunft saßen wir zusammen und redeten über alles, was uns gerade in den Sinn kam", erinnert sich Enkes DFB-Kollege Per Mertesacker im Blog der Robert Enke Stiftung. "Die Tatsache, dass sich sein Todestag heute zum achten Mal jährt, dass meine Gespräche mit ihm also gut ein Jahrzehnt zurückliegen, erschreckt mich."

Als Robert Enke 2004 vom FC Barcelona nach Hannover wechselte, half er dem damals 19-jährigen Mertesacker. "Er gab mir von Anfang an das Gefühl, er schätze mich, den Frischling. Er schenkte mir sein Vertrauen", berichtet der heute 33-Jährige. "Er ließ mich spüren, dass er sich mit mir in der Verteidigung sicher fühlte. Er stand im wahrsten Sinne des Wortes hinter mir."

Per Mertesacker: Depression ist eine Krankheit wie Krebs

Robert Enke und Per Mertesacker
Robert Enke und Per Mertesacker im Jahr 2005 in Hannover. © Imago Sportfotodienst

"Robert strahlte Ruhe und Entschlossenheit aus", sagte Mertesacker. Enke sei vorangegangen - und das sage er nicht, um den früheren Torwart zu glorifizieren, "sondern um zu verdeutlichen: Menschen, die von Depressionen getroffen werden, sind keineswegs schwach; es kann auch die Stärksten wie Robert treffen, weil es wie Krebs einfach eine Krankheit ist".

Als sich Robert Enke am 10. November 2009 das Leben nahm, sei Mertesacker geschockt gewesen. "Wie war es möglich, dass dieser ausgeglichene, reflektierte Freund offenbar auch so krank gewesen war, dass er sich selbst das Leben nahm?", fragte sich der jetzige Arsenal-London-Spieler. "Wie war es möglich, dass ich davon nichts mitbekommen hatte. Warum hatte er mir nie von seinen Depressionen berichtet, wir waren doch Freunde, die sich, wie man so sagt, alles erzählen."

"Robert war die meiste Zeit rational, von stiller Fröhlichkeit; gesund"

Robert Enke Per Mertesacker.
Robert Enke freut sich nach einem Spiel im Jahr 2005 mit Per Mertesacker. © Imago Sportfotodienst

Doch Per Mertesacker hat durch den Tod seines Freundes Robert Enke viel über Depressionen gelernt: "Ich habe gelernt, dass dieses Verschweigen zum Krankheitsbild einer Depression gehört. Wenn Menschen akut an einer Depression leiden, wollen viele von ihnen sich offenbar verkriechen, verstecken."

Robert Enke sei nicht andauernd depressiv gewesen. "Ich habe verstanden, dass Robert die meiste Zeit seines Lebens so war, wie ich ihn kennenlernte: rational, von stiller Fröhlichkeit; gesund. Wie die meisten Betroffenen erwischten ihn die Depressionen nur in kurzen Phasen seines Lebens", sagte Mertesacker.

Per Mertesacker: Robert Enke gab uns die Aufgabe, seelische Krankheiten besser zu bekämpfen

"Mit seinem Tod hat uns Robert die Aufgabe gegeben, seelische Krankheiten besser zu bekämpfen", sagte Mertesacker, der auch für sich persönlich Aufgaben sieht. "Ich werde im nächsten Sommer, nach dem Ende meiner aktiven Karriere, beim FC Arsenal in London die Leitung der Nachwuchsakademie übernehmen."

"Im Nachwuchsbereich gibt es ein strukturelles Problem, das auch die Psyche belasten kann: 80 Prozent der Jungs, die in England mit 16 ihren Ausbildungsvertrag als Jungprofis unterschreiben, sind mit 18 arbeitslos", weiß der 33-Jährige. Deshalb gelte es, die Spieler aufzufangen, ihnen zu helfen.