Alkoholiker, ohne es zu wissen: Alfred bemerkte seine Sucht jahrelang nicht

Alfred (47) trank heimlich drei bis vier Liter Bier am Tag

Er ist jahrelang Alkoholiker und keinem fällt es auf – nicht einmal seiner eigenen Frau. Alfred Endres (47) behauptet, er habe selber nie bemerkt, dass sein regelmäßiges Trinken zur Sucht geworden ist. Erst als er wegen einer Bauchspeichelentzündung ins Krankenhaus kommt, sagen die Ärzte es ihm und seiner Frau knallhart ins Gesicht: Alfred ist alkoholkrank. Wie konnte es soweit kommen, ohne dass irgendjemand die Zeichen richtig erkannte?

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Alkoholiker ohne es zu wissen: Er bemerkte seine Sucht jahrelang nicht
Wie kann ein Mensch selbst nichts von seiner Sucht ahnen? © dpa, Arno Burgi

Für Alfred Endres war Biertrinken erst etwas Geselliges, dann wurde es zur Gewohnheit und schließlich zur Sucht. Er selbst merkte gar nicht, wie er immer tiefer abrutschte. Immer öfter versteckte er Bier und andere Alkoholflaschen an Orten, wo er sie unbemerkt von seiner Frau trinken konnte. Im Wäschekeller neben der Waschmaschine trank er, während er Kleider sortierte. Immer öfter machte er Ausflüge zur Tankstelle, obwohl der Tank seines Autos noch gar nicht leer war.

"Die ganzen Situationen, bei denen ich Alkohol trank, halfen mir dabei, zu funktionieren", erklärt Alfred. "Als Mensch, als Arbeitnehmer, als Ehemann." Den Preis für seinen hohen Alkoholkonsum bezahlte der 47-Jährige 2008, als er mit einer Bauchspeichelentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Erst als die Ärzte im Krankenhaus Alfred und seiner Frau Helga erklären, dass die Entzündung durch den Alkohol hervorgerufen wurde, wurde Helga klar, wie schlimm es um Alfred stand.

Nach eigener Aussage trank Alfred drei bis vier Liter Bier am Tag. Er verlor seine Arbeitsstelle. "Was dann passierte, war genau der Effekt, der den meisten Leuten, die arbeitslos werden, passiert: Ich verlor vollends die Kontrolle über meinen Alkoholkonsum", erklärt Alfred. "Ich konnte bei jeder Gelegenheit trinken, ich musste am Vormittag nicht einmal mehr heimlich trinken."

Zwei Wochen lang kämpfte Alfred um sein Leben

Ein Jahr später wurde Alfred erneut wegen einer entzündeten Bauchspeicheldrüse eingeliefert. Diesmal stand es schlimm um ihn und die Ärzte wussten nicht, ob er überleben würde. Der Alkoholiker wurde einer aufwendigen Operation unterzogen und lag danach zwei Wochen lang im künstlichen Koma. "Dann ging für uns die bange Zeit des Wartens los", erklärt Helga Endres. "Uns wurde mitgeteilt, dass die Überlebenschancen bei nur zehn Prozent liegen."

Doch wie durch ein Wunder überlebte Alfred und erwachte aus dem Koma. Seine Gedanken nach dem Aufwachen beschreibt der 47-Jährige so: "Ich wusste gar nichts. Ich wusste nur: Neustart, ich habe überlebt, ich bin jetzt kein Alkoholiker mehr. Ich werde nie wieder in meinem Leben Bier trinken."

Während der gesamten Zeit wich Ehefrau Helga nicht von seiner Seite, sondern stand zu ihm. "Ich wusste damals schon, dass es eine Krankheit ist und dass Druck nichts bringen würde", begründet sie ihr Bleiben. Statt ihn zu verlassen, half Helga ihrem Ehemann, sie vertraute darauf, dass er irgendwann einmal wieder ganz der Alte würde. "Wenn sie mich verlassen hätte, hätten wir beide verloren", sagt Alfred. Gemeinsam konnten Helga und Alfred ein neues Leben anfangen und sind glücklicher als jemals zuvor.