'Alltags-Hack': So kommen Sie mit dem Fahrstuhl schneller ans Ziel

Life-Hack: Betätigen von Tasten im Fahrstuhl, um den Express-Modus zu aktivieren.
Zwei Tasten zum Glück - kann man so die Aufzug-Mitfahrer alt aussehen lassen? © RTL interactive

Von Sebastian Werner

Es sind die kleinen Situationen im Alltag, die eigentlich ziemlich unwichtig sind – uns aber dennoch innerlich immer wieder herausfordern: Welche Schlange im Supermarkt geht am schnellsten, welcher Waggon der U-Bahn ist am leersten, welche Spur im Stau bremst mich am wenigsten. Und: Wie komme ich mit dem Fahrstuhl möglichst schnell an mein Ziel, lohnt es sich überhaupt oder nimmt man lieber rasch die Treppe? Zumindest für diesen Fall gibt es möglicherweise eine Lösung – mit einem sogenannten 'Alltags-Hack'. Ein Hack? Ja, genau – ein Hack, aber im echten Leben!

Was man eigentlich nur mit technischer Hilfe in Videospielen und Computernetzwerken erwartet, ist auch im Alltag möglich – und man muss nicht Keanu Reeves sein und die 'Matrix' manipulieren können. Auch der von Game-Nerds oft ersehnte fiktive 'Godmode im Reallife' ist nicht nötig. Man muss einfach nur wissen, wie es geht. Im Internet tummeln sich viele dieser angeblichen Alltags-Hacks, einer von ihnen ist der Fahrstuhl-Express-Hack.

Wer im Kaufhaus, Parkhaus oder Büro von ganz unten nach ganz oben will (oder andersherum), kennt es: Weil jeder ein anderes Ziel hat, dauert die Fahrt schon mal mehrere Minuten. Dann ist die Einsicht schnell da: Die Treppe wäre die schnellere Wahl gewesen. Doch es gibt – so zahlreiche Berichte im Internet - einen geheimen 'Express-Modus', mit dem der Fahrstuhl direkt die gewünschte Etage ansteuert und alle anderen von innen oder außen angeforderten Stockwerke links liegen lässt.

So geht's: Drücken Sie die 'Tür schließen'-Taste und dann gleichzeitig die Taste mit dem gewünschten Stockwerk. Wenn sie diese Kombination einige Sekunden halten, geht die Reise los – ohne nervige Zwischenstopps, dafür möglicherweise mit genervten Mitfahrern.

Bei den Herstellern nachgefragt: Welche Aufzüge lassen sich manipulieren?

Otis-Mitarbeiterin in einem Otis-Fahrstuhl in der Otis.Zentrale in Berlin.
Eine Mitarbeiterin von Otis in einem ihrer Fahrstühle - benutzt sie auf diesem Archivbild heimlich den Express-Modus? © picture-alliance / dpa, Jochen Eckel

Leider klappt das nicht in jedem Modell. In Foren und Blogs im Netz wird darüber diskutiert, wo ja und wo nicht. Meistens genannt wird der US-Hersteller Otis, Weltmarktführer und auch in Deutschland in vielen Gebäuden vertreten. ThyssenKrupp-Aufzüge, ebenfalls ein Big Player auf dem Fahrstuhl-Markt, sollen sich hingegen nicht so einfach hacken lassen – so die selbsternannten Fahrstuhl-Experten in der Blogosphäre. Wir fragen nach.

"Die Aufzüge sind im Prinzip auf Wunsch des Kunden beliebig programmierbar", erklärt uns ThyssenKrupp-Sprecher Michael Ridder. So gebe es Aufzüge, die besonders langsam fahren, weil Kinder oder alte Leute auf zu hohe Geschwindigkeit reagieren würden. Und was ist mit dem 'Tür Schließen'-Trick? "Diese spezielle Funktion ist uns noch nie untergekommen", so Ritter.

Überhaupt stellt sich die Frage – wozu das ganze? Warum gibt man bestimmten Menschen die Möglichkeit, schneller ans Ziel zu kommen? Laut Ridder zum Beispiel zu Wartungszwecken. Andere sprechen von möglichen Anwendungsfällen für die Polizei oder Rettungskräfte – kein abwegiger Gedanke, wenn man an Hochhaus-Ansammlungen wie in New York oder auch Frankfurt denkt.

Klar ist: Es gibt je nach Modell verschiedene Varianten eines Express-Modus, diese sind aber in der Regel nur per Schlüssel aktivierbar – das bestätigt uns auch die Firma Schindler, ebenfalls einer der großen Fahrstuhl-Anbieter in Deutschland: "Eine geheime 'Express'-Funktion ist uns nicht bekannt."

Auch das Unternehmen KONE will einen solchen Kniff in seinen Modellen nicht verbaut haben, geht im Gespräch sogar in die Offensive: "Ich würde sagen, das ist der totale Fake", so eine Sprecherin. Bleibt also erst mal nur der im Netz oft genannte Hersteller Otis. Doch ausgerechnet der reagiert nicht auf unsere Anfragen – ein Schelm, wer Böses denkt…

Und was ist jetzt mit der Supermarkt-Kasse oder dem U-Bahn-Waggon? Hier gibt es wohl keine 'Alltags-Hacks'. Im Netz kursieren zahlreiche Anleitungen für weitere technische Tricks im öffentlichen Raum, die wir aber lieber nicht aufzeigen, da sie anders als der Fahrstuhl-Kniff eher Betrug als eine Spielerei sind. Zahlreiche Ideen von Bloggern und Foren-Nutzern, wie man Fußgängerampeln beeinflussen kann – anscheinend auch ein ewig unerfüllter Traum aller Stadtbewohner – gehören zudem eher in die Kategorie Großstadt-Mythen.

Also viel Spaß bei der Fahrstuhl-Suche – aber natürlich sollte man es nicht übertreiben, wenn man tatsächlich einen 'anfälligen' Aufzug gefunden hat. Die Nerven der Mitfahrer sind schließlich schon so genug strapaziert im Dschungel der falschen Alltags-Entscheidungen. Naja, hätten sie doch lieber die Treppe genommen...



Sebastian Werner ist gebürtiger Hamburger und studierte Angewandte Medienwirtschaft an der 'medienakademie', wobei er sich besonders für den journalistischen Teil begeistern konnte. Das brachte ihn zu RTL interactive, wo er heute Chef vom Dienst der Nachrichtenredaktion ist. Er schätzt vor allem Themen, die die Menschen bewegen – oder bewegen sollten. Diese findet er im „echten“ Leben mit seiner Familie in Köln – und im „digitalen“ Leben in den verschiedenen Social Networks.