Amazon startet ersten Laden ohne Kasse: Kunden werden komplett überwacht

Einkaufen ohne Kasse?
Einkaufen ohne Kasse? Amazon-Supermarkt macht es möglich 00:01:31
00:00 | 00:01:31

Amazon will auch um Lebensmittelhandel vorne mitspielen

Schritt für Schritt versucht der Internetgigant Amazon, auch im Lebensmittelhandel eine Führungsrolle zu übernehmen. In den USA startete der Konzern jetzt sein erstes Geschäft ohne Kasse. In Deutschland findet der Kampf noch im Internet statt.

Bezahlen ohne Geldbeutel in Seattle

Wer dort einkauft, braucht nicht mehr an der Kasse anzustehen, um die ausgewählten Produkte zu bezahlen. Er meldet sich beim Betreten des Ladens mit einer App an, packt ein, was er braucht und geht wieder. Möglich wird das durch zahllose Kameras und Sensoren, die jeden Schritt und jede Bewegung des Kunden beobachten. Nach dem Verlassen des Ladens wird dann automatisch in Rechnung gestellt, was mitgenommen wurde.

Bücher, Elektronik oder Spielwaren zu verkaufen reicht dem Internetgiganten Amazon längst nicht mehr. Der US-Konzern will auch im Milliardengeschäft mit Lebensmitteln eine Führungsrolle übernehmen. Der neueste Vorstoß: Im amerikanischen Seattle eröffnete das Unternehmen seinen ersten Supermarkt ohne Kassen

Deutschland ist noch nicht so weit

In Deutschland ist ein solches Ladenkonzept noch Zukunftsmusik. "Hier werden personenbezogene Daten erhoben", sagte der Sprecher der Landesbeauftragten für Datenschutz in Nordrhein-Westfalen. Das sei in NRW wenn überhaupt nur mit Einwilligung des Kunden möglich. Für den Kunden müsse ganz klar sein, welche Daten von wem, zu welchem Zweck, wo und wie lange gespeichert würden. "Bei einer so vollumfassenden Datenverarbeitung dürfte das nicht so einfach sein", sagte er.

Der Sprecher der Verbraucherzentrale NRW, Georg Tryba, wies außerdem darauf hin, dass mit der Kasse für den Verbraucher auch ein wichtiger Kontrollschritt wegfalle. Dort könne der Kunde seine Einkäufe noch einmal überprüfen - etwa, falls ein Kind ohne Erlaubnis der Eltern zugegriffen habe oder der Preis am Regal nicht richtig ausgewiesen sei.

In Deutschland ist Amazon bei seinen Lebensmittel-Aktivitäten bisher noch nicht ganz soweit wie in den USA. Einen Lebensmittellieferdienst mit Online-Bestellung betreibt der Konzern bislang nur in den Metropolen Berlin, Hamburg und München.

Für den E-Commerce-Experten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sind die bislang überschaubaren Auswirkungen von Amazon Fresh auf den deutschen Lebensmittelhandel allerdings kein Grund zur Entwarnung. Amazon sei bereit, auf Jahre hinaus auf Profite zu verzichten, um einen Markt zu erschließen, meint der Branchenkenner. Am Ende werde die Firma damit erfolgreich sein.