"Angst um die Sicherheit meiner ausländischen Mitarbeiter" - Gastronom meidet Street-Food-Festival in Sachsen

Andreas Hagemeyer in seinem Food-Truck: Pompier de Paris
Andreas Hagemeyer in seinem Food-Truck. Mit dem umgebauten Feuerwehrauto reist der Kölner Gastronom durch ganz Deutschland. © Pompier de Paris

Können sich Ausländer in Sachsen nicht mehr sicher fühlen?

Mit seinem Food-Truck sollte Andreas Hagemeyer an einem Street-Food-Festival in Sachsen teilnehmen. Er nahm die Einladung jedoch nicht an, weil er Angst um die Sicherheit seiner ausländischen Mitarbeiter hatte. Mit Folgen: Nun bekommt der Kölner Gastronom Morddrohungen.

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Food-Truck-Besitzer hat Angst um Sicherheit seiner Mitarbeiter

"Jetzt, wo ich den ganzen Tag Hassmails und Drohanrufe bekomme, weiß ich: Es war eine verdammt richtige Entscheidung, nicht mit meinem Truck nach Sachsen zu fahren."

Es sind drastische Worte, die Andreas Hagemeyer im Gespräch mit RTL formuliert. Der Kölner betreibt seit einigen Jahren einen Food-Truck, mit dem er quer durch Deutschland reist. Unter anderem sollte er im kommenden Mai in Sachsen beim "Street Food Festival Plauen" Halt machen. Auf die Einladung des Veranstalters antwortete Hagemeyer:

"Es ist so, dass wir es unserem ausländischen Personal nicht zumuten wollen, sich in Sachsen ein ganzes Wochenende, möglicherweise auch im Dunkeln, zu bewegen."

Street Food bedeutet Weltoffenheit

Food Truck von Andreas Hagemeyer
In Hagemeyers Food Truck arbeiten Menschen aus Kambodscha, Kenia und Kamerun © Pompier de Paris

Menschen aus Kambodscha, Kenia und Kamerun arbeiten in Hagemeyers Truck. Street-Food – das stehe für Weltoffenheit und Internationalität. Werte, die man in Sachsen nicht leben könne, erklärt Hagemeyer. Er erzählt von seiner Zeit als Fotoreporter. Unter anderem berichtete er für den Spiegel von NPD-Parteitagen und Neonazi-Veranstaltungen in den neuen Bundesländern. Die Bilder brannten sich in sein Gehirn.

Gastronom bekommt Morddrohungen

Für Hagemeyer ist es nicht nur ein Vorteil, dass die Menschen in Sachsen ein Problem mit anderen Kulturen haben: "Sachsen hat ein extremes Problem mit Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus", erklärt er. Und in seiner Meinung fühlt er sich insbesondere von den extremen Reaktionen, die er momentan erlebt, bestätigt. Seit Tagen bekommt Hagemeyer ununterbrochen Hassmails. Zudem rufen ihn fremde Menschen an und drohen, ihn umzubringen.

Seine Aussagen bereue der Kölner dennoch nicht. Man müsse die Probleme in Sachsen ansprechen. Nur so könne sich etwas ändern. "Und wenn ich einen kleinen Beitrag dazu beisteuern könnte, wäre ich natürlich total glücklich. Dafür nehme ich auch gerne in Kauf, dass ich belästigt werde."

"Auf so einem Markt wäre ich sofort dabei"

Wie man in Sachsen etwas gegen Fremdenfeindlichkeit tun könne? "Leckeres Essen ist gar keine schlechte Idee", schlägt Hagemeyer vor. Der Rahmen aber müsse stimmen. "Wie wäre es mit einem Fest ganz konkret gegen Rassismus. Verschiedene Initiativen könnten sich vorstellen. Gerne organisiert mit der Hilfe von Flüchtlingen." Am wichtigsten sei aber, dass niemand, ganz egal wie er aussehe, um seine eigene Sicherheit fürchten müsse. "Klar, auf so einem Markt wäre ich sofort dabei – auch in Sachsen."