Angst vor Jagdszenen in Dortmund - Polizei rüstet auf

Dortmunder Ausschreitungen
Solche Szenen wie aus dem Februar sollen sich nach Möglichkeit nicht wiederholen © deutsche presse agentur

Spitzenpartie wird Hochsicherheitsspiel

Das Duell zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig wird nach den Jagdszenen vor dem Stadion im Februar zum Hochsicherheitsspiel. Der BVB hofft auf friedliche Proteste.

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Bei der Polizei sitzt der Knüppel locker

Die Ultras machen mobil, die Polizei rüstet auf. Acht Monate nach den Angriffen Dortmunder Randalierer auf Gästefans von RB Leipzig wird das erneute Duell zum Hochsicherheitsspiel. Doch böse Überraschungen will die massiv verstärkte Polizei um jeden Preis verhindern - ihre Warnung klingt außergewöhnlich scharf. "Wer Gäste anpöbeln oder angreifen will, wird uns sehr aktiv erleben", sagte Einsatzleiter Edzard Freyhoff vor dem Großeinsatz rund um das Spiel des Tabellenführers gegen den Vize-Meister. "Die Schwelle, ab der wir einschreiten, ist extrem niedrig."

Polizeipräsident Gregor Lange kündigte an, "Fans aus Leipzig und Dortmund davor zu schützen, von Gewalttätern und Kriminellen, die den Titel Fan nicht verdienen, belästigt und angegriffen zu werden". Straftäter würden "mit allen Mitteln und hohem Aufwand verfolgt". Aus gutem Grunde: Vergangene Saison blieb es nicht bei zahllosen beleidigenden Plakaten und Gewaltaufrufen wie "Bullen schlachten" auf der Südtribüne, sondern ein Mob jagte die Leipziger vor dem Stadion. Sechs Gästefans und vier Polizisten wurden verletzt, im Nachgang gab es 168 Strafverfahren, von denen bis dato 11 mit Strafbefehlen endeten. Der DFB schloss die Südtribüne für ein Spiel.


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Teil der BVB-Fans nicht gerade auf Deeskalation aus

Ein Teil der - sehr heterogenen - Dortmunder Fan-Szene scheint dennoch nicht auf Deeskalation zu setzen. "Dietrich Mateschitz' Projekt ist heute genauso abzulehnen wie damals. Wir dürfen es niemals hinnehmen, dass ein Konzern den Fußball als Werbeplattform für sein Produkt missbraucht, allen Hofierungen und Anbiederungsversuchen zum Trotz", teilte die Ultra-Gruppierung 'The Unity' in einem gemeinsamen Aufruf mit dem Fanclub-Zusammenschluss 'Südtribüne Dortmund' mit. Denn: "Alles, woraus unser Sport seine Faszination zieht, wird von RasenBallsport mit Füßen getreten."

Mit einem Fanmarsch solle "ein starkes Zeichen" gesetzt werden: "Im Westfalenstadion und auf der Südtribüne gilt dieselbe Devise wie in der letzten Saison: Zeigen wir, was den Fußball für uns ausmacht! Zeigen wir, dass man Fanatismus, Treue und eine freie und mündige Fankultur mit keinem Geld der Welt kaufen kann!"

Zahl der Polizisten vervierfacht

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hofft inständig, dass der Protest diesmal friedlich bleibt. Sicher ist er sich nicht. "Grundsätzlich glaube ich, dass alle gelernt haben aus der Situation. Insofern bin ich verhalten optimistisch, dass wir das ordentlich über die Bühne kriegen", sagte er den Zeitungen der Funke-Gruppe. Die Polizei wandte sich mit "dringenden Anreiseempfehlungen" an die Gäste.

Watzke setzt sein Vertrauen ohnehin in die Staatsmacht. "Die Polizei überwacht das Spiel mit deutlich größerer Präsenz als beim letzten Mal", sagte er. "Damals waren deutlich zu wenig Polizisten im Einsatz." Eine genaue Zahl wird nicht genannt, rund 1.000 Beamte sollen es im Vergleich zu 237 im Februar sein. Eine eigens engagierte Sicherheitsfirma soll die RB-Mannschaft beschützen.

Eines haben die Randalierer von damals jedenfalls erreicht - sehr viele RB-Fans wollen sich die Reise nach Dortmund nicht mehr antun. 8000 Karten hat der BVB den Leipzigern zur Abnahme angeboten, etwa 3000 wurden in Anspruch genommen.