Baby Charlie muss sterben: Europäischer Gerichtshof weist Klage der Eltern zurück

Baby Charlie: Ärzte dürfen Maschinen abstellen
Baby Charlie: Ärzte dürfen Maschinen abstellen Europa-Richter weisen Klage der Eltern zurück 00:01:06
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Gericht sieht keine Heilungschancen für das Kind

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg war ihre letzte Hoffnung: Connie Yates und Chris Gate wollten nicht akzeptieren, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet werden sollen, die ihren kleinen Charlie am Leben halten. Jetzt haben die Europa-Richter die Beschwerde der Eltern zurückgewiesen. Sie sehen keine erfolgsversprechenden Heilungschancen für das Baby und wollen das Leiden des kleinen Jungen beenden. Laut BBC sollen die Maschinen, die Charlie am Leben halten, in den nächsten Tagen abgeschaltet werden.

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Richter konnten immer noch kein finales Urteil fällen

Es war eine äußerst schwere Entscheidung: Darf Baby Charlie leben oder muss er sterben? Die eigentlich für den 13.6. geplante Entscheidung über Charlies Leben wurde von dem Europäischen Gerichtshof auf den 19.6. verschoben. Aber auch an diesem Tag konnten die Richter kein endgültiges Urteil fällen. Sie ordneten an, dass Charlie noch drei weitere Wochen von den Ärzten in England weiterbehandelt werden soll. Der Gerichtshof wollte die Entscheidung nicht überstürzen und analysierte den Fall des zehn Monate alten Babys genauer, hörte alle Parteien und Sachverständige dazu an. Dann fällte es die endgültige Entscheidung: Die Ärzte in Großbritannien können endgültig die Behandlung des todkranken Babys Charlie Gard abbrechen. 

Charlie leidet an einem seltenen Gendefekt - Eltern hoffen auf eine experimentelle Therapie in den USA

Charlie aus England liegt durch einen geerbten Gendefekt mit schlimmen Gehirnschäden in einem Krankenhaus in London. Er leidet an mitochondrialer Myopathie. Diese seltene Erkrankung führt bei den Betroffenen neben den Hirnschäden, auch zu Muskelschwund. Nur Maschinen erhalten das zehn Monate alte Baby noch am Leben. Doch auch wenn britische Ärzte dem Kleinen keine Chance auf Heilung mehr gaben, hofften seine Eltern auf eine ganz bestimmte Therapie in den USA. Für die Therapie in den USA hattenen die Eltern über eine Millionen britische Pfund über eine Internetplattform gesammelt.

Bereits im April entschied das Gericht in Großbritannien, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt werden sollten. Die Klage der Eltern gegen die Entscheidung der Mediziner blieb in Großbritannien erfolglos. Der Menschenrechtsgerichtshof beanstandete dies nun nicht. Nationale Stellen hätten einen weiten Einschätzungsspielraum im Bereich der experimentellen Medizin für Todkranke und in Fällen, in denen es um sensible moralische und ethische Fragen gehe. Die britischen Gerichte hätten den Fall zudem akkurat und sorgfältig geprüft. 

Eltern teilten emotionales Bild

Vor einigen Tagen teilte Charlies Mutter ein Bild des Kleinen mit geöffneten Augen und schrieb dazu "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." Im April hatte das Gericht den Eltern gesagt, dass die Lage für ihr Kind schlecht aussehe, da er noch nicht einmal schaffen würde seine Augen zu öffnen. Mit diesem Bild will die Mutter diesem widersprechen.

Darf ein Gericht über das Wohl des eigenen Kindes entscheiden?

Dieser Fall führt unweigerlich zu der Überlegung, ob ein Gericht eine solche Entscheidung über das eigene Kind treffen darf. Der Basler Rechtsprofessor Bijan Fateh-Moghadam stellt heraus, dass die medizinrechtliche Kultur in Großbritannien sehr paternalistisch geprägt sei: "Dem Staat wird recht großzügig gestattet, in das Eltern-Kind-Verhältnis einzugreifen. Die staatlichen Gerichte treten sozusagen als der oberste Erziehungsberechtigte auf." Dies führt laut dem Experten dazu, dass die Mediziner mehr Macht bekämen: "Da steckt der Gedanke dahinter: Wir wissen besser als die Eltern, was dem Wohl des Kindes dient, die getrieben sind von ihren Emotionen." Fateh-Moghadam hält den Standpunkt seiner britischen Kollegen für kritisch. "Es geht letztendlich um das Selbstbestimmungsrecht, das bei Minderjährigen die Eltern wahrnehmen." Bei einem Missbrauch der Personensorge habe das zwar seine Grenze. "Es kann etwa selbstverständlich nicht darum gehen, ein hirntotes Baby monatelang weiter zu behandeln." Eine solche Situation sei aber im Fall von Charlie nicht ersichtlich. "Gerade bei existenziellen Entscheidungen haben die Eltern grundsätzlich das Recht, ihre Hoffnungen auch auf einen experimentellen Heilversuch zu setzen", sagt der Experte.

Der Europäische Gerichtshof hat jetzt seine Entscheidung getroffen und die Klage der Eltern zurückgewiesen. Wir halten Sie über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden.