Bertelsmann-Studie zeigt gravierende Mängel: So schlecht essen unsere Kinder in der Kita

Oft kein kindgerechtes Essen – weil es keine Standards gibt

Es wird immer selbstverständlicher, dass wir unsere Kinder in die Kita schicken und sie dort auch zu Mittag essen – umso wichtiger ist dort die richtige Ernährung, die großen Einfluss auf die Gesundheit und die Entwicklung der Kleinen hat. Doch es gab bislang keine wissenschaftliche Erhebung, wie gut das Essen im Kindergarten eigentlich ist. Viele Eltern dürften jetzt die Ergebnisse der Studie 'Is(s)t KiTa gut?' der Bertelsmann-Stiftung schockieren - denn: Nur in jeder dritten Kindertagesstätte ist das Essen auch kindgerecht.

Bertelsmann-Studie zeigt gravierende Mängel bei Kita-Essen
Kinder in einer Leipziger Kita - wie kindgerecht ist ihre Mahlzeit? © dpa (Archivbild)

Für die repräsentative Untersuchung haben die Forscher über 1.000 Einrichtungen im ganzen Land befragt – mit ernüchterndem Fazit. "Die Verpflegung wird bei der Finanzausstattung der Kitas selten berücksichtigt, es fehlt an hauswirtschaftlicher Fachkompetenz sowie an adäquater Küchenausstattung und Speiseräumen", teilte die Bertelsmann-Stiftung mit.

Nur in gut jeder zehnten Kita bekommen die Kinder demnach genügend Obst, in knapp jeder fünften ausreichend Salat und Rohkost. Auch Fisch steht zu selten auf der Menütafel, wenn man sich wie die Experten der Studie an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientiert. Dafür reichen ein Viertel der Kindergärten zu viel Fleisch.

"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie sind Kinder"

Schuld daran sind nach Überzeugung von Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, aber nicht die Kitas selbst. "Die Kitas bemühen sich durchaus, vernünftige Ernährung für die Kinder hinzukriegen, aber es fehlt ein an den Rahmenbedingungen", sagte Dräger im RTL-Interview. "Da müssen wir politisch ran."

Was Dräger meint: Es gibt keine einheitlichen Standards, an die Kitas und Catererer, die das Essen oft liefern, gebunden sind. "Die deutsche Gesellschaft für Ernährung hat solche Standards entwickelt, sie sind aber eben nicht verbindlich für die Kitas", so Dräger.

"Sehr viele Kitas in Deutschland lassen sich ihr Essen liefern – das ist per se gar nicht schlecht", meint Dräger. Aber die meisten Caterer lieferten einfach Erwachsenenessen in kleineren Portionen. "Aber Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie sind Kinder. Sie brauchen spezielle Ernährung", so Dräger.

Gesetzliche Regelungen würden das ermöglichen. Aber was darf das Essen dann kosten – und wer soll das bezahlen? Eine gesunde und ausgewogene Mittagsverpflegung kostet nach Berechnungen der Studie 4 Euro. Derzeit zahlen Eltern im Schnitt aber nur 2,40 Euro für das Mittagessen im Kindergarten. "Da brauchen wir eine Diskussion: Wer kann diesen Differenzbetrag tragen – der Staat, die Kommunen, die Träger, die Eltern?", fragt Dräger.

Auch auf die Umstände in den Kindertagesstätten selbst hat die Studie ein Auge geworfen. Die Kitas sind oft für die Verpflegung zu schlecht ausgestattet: "Die Küche vieler Kitas ähnelt der eines Privathaushalts. Nicht einmal jede dritte Kita verfügt über einen Speiseraum", heißt es in der Studie. Häufig müssten die Kinder deshalb in ihrem Gruppenraum essen. Nur jede dritte Kita beschäftige Personal mit hauswirtschaftlichen Fachkenntnissen.

"Gutes Essen in der Kita bedeutet auch besseres Aufwachsen von Kindern in Deutschland", meint Dräger im Interview. "Was geschehen muss, ist, dass der Gesetzgeber möglichst auf Bundesebene Standards festlegt. Dann wissen alle Kitas was sie zu tun haben."