Bertelsmann-Studie zur Bundestagswahl: Diese Wähler machten die AfD zur drittstärksten Partei

Alexander Gauland spricht vor Beginn der ersten Sitzung der AfD-Bundestagsfraktion.
Erstmals wird die AfD im Bundestag vertreten sein. Und das als drittstärkste Partei. © dpa, Michael Kappeler, mkx fdt wst

Woher kommt der Erfolg der AfD bei der Wahl 2017?

12,6 Prozent, drittstärkste Partei - das AfD-Ergebnis war die absolute Überraschung der Bundestagswahl 2017. Allerdings nicht im positiven Sinne, denn die rechte Partei sitzt bald im Parlament. Die Suche nach den Ursachen für das Wahlergebnis läuft auf Hochtouren: Welche Bevölkerungsgruppen haben die AfD gewählt und warum? Eine ausführliche Studie der Bertelsmann-Stiftung liefert hierzu jetzt detaillierte Erkenntnisse. Und die dürften vor allem in den Zentralen der Volksparteien CDU und SPD die Alarmglocken schrillen lassen.

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Den großen Parteien laufen die Wähler weg

Die Menschen im Osten und natürlich der rechte Rand - haben sie allein die AfD zur drittstärksten Partei gemacht? Nein, sagt eine neue Wahl-Studie der Bertelsmann Stiftung, die überraschende Erkenntnisse liefert.

Die AfD erhielt demnach von der Unterschicht den größten Zuspruch. Mit 28 Prozent war sie hier sogar die stärkste Partei. Überraschend ist jedoch, dass die AfD auch in der sogenannten bürgerlichen Mitte viel Zuspruch bekam. Das alarmierende an dieser Erkenntnis: Genau hier befinden sich hauptsächlich die Stammwähler von CDU und SPD. Dies bedeutet, dass bei der Bundestagswahl vor knapp zwei Wochen viele Wähler direkt von den großen Volksparteien zur AfD abgewandert sind.

Den größten Verlust in der bürgerlichen Mitte machten dabei CDU und CSU. Sie verloren in dieser Gesellschaftsgruppe ganze 15 Prozentpunkte, während die AfD in der bürgerlichen Mitte genau um diesen Prozentsatz zulegte. "Diese Entwicklung ist beunruhigend. Die entscheidende politische Frage der nächsten Jahre wird sein, wie es die etablierten Parteien schaffen, diese Entwicklung wieder umzukehren", erklärt Studien-Autor Robert Vehrkamp.

AfD Wähler sind gegen Modernisierung

Eine weitere entscheidende Erkenntnis der Studie: Wer die AfD wählt, ist eher gegen die Modernisierung. Hier erkennen die Autoren der Studie eine völlig neue Konfliktlinie der Demokratie. "Die Spaltung der Wählerschaft verläuft mittlerweile zwischen den Skeptikern und Befürwortern der Modernisierung", so Vehrkamp. Diese Trennlinie hat das Wahlverhalten nach Überzeugung der Studienautoren entscheidend geprägt. Auf der einen Seite stünden Milieus, die sich mit Begriffen wie Tradition oder Besitzstandswahrung identifizierten.

Insgesamt 65 Prozent aller AfD-Wähler sind demnach eher Skeptiker der Modernisierung. Sie sehen die EU eher als Risiko denn als Chance. Das macht die Wähler der AfD quasi einzigartig. Alle anderen Parteien wurden mehrheitlich von Personen gewählt, die eine Modernisierung befürworten.