DAK-Pflegereport 2017: Angehörige von Demenzkranken sehnen sich nach mehr Unterstützung

Pflegereport: Drei Millionen Demenzkranke im Jahr 2050
Pflegereport: Drei Millionen Demenzkranke im Jahr 2050 00:01:35
00:00 | 00:01:35

Großer Fokus auf das Thema Pflege seit dem Wahlkampf

Seit Angela Merkel vor der Bundestagswahl in einer TV-Sendung mit den Zuständen in der Pflege konfrontiert worden ist, hat das Thema viel Aufmerksamkeit bekommen. Doch wie geht die Gesellschaft mit Pflegebedürftigen im Alltag um? 

- Anzeige -

Wunsch nach finanzieller Hilfe und mehr Respekt

Pflegende Angehörige von Demenzkranken fühlen sich oft allein gelassen bei dieser aufzehrenden Betreuung. Sie fordern mehr Unterstützung - finanziell, aber auch durch professionelle Dienste. Zudem verlangen sie mehr Respekt für Menschen, deren Geisteskraft nachlässt, und auch für deren Familien. Dies geht aus dem aktuellen Pflegereport der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, der dieses Mal den Schwerpunkt Demenz hat.

Beim Wunsch nach mehr Unterstützung geben im DAK-Pflegereport 2017 86 Prozent der Befragten an, mehr finanzielle Hilfe zu brauchen. Zwei von drei erhofften sich mehr Unterstützung durch professionelle Dienste. 60 Prozent erwarteten für sich und ihre dementen Familienmitglieder mehr Selbsthilfe-, 42 Prozent mehr Informationsangebote.

Jeder dritte pflegende Angehörige will Unterstützung durch Freiwillige und günstigere Möglichkeiten, sich von privaten Pflegekräften unterstützen zu lassen. Trotz aller Unterstützungswünsche halten nach den Worten von DAK-Chef Andreas Storm fast 40 Prozent der Befragten mit dementen Angehörigen ein gutes Leben mit Demenz für möglich.

Demenzpatienten leiden laut DAK-Pflegereport 2017 oft unter Flüssigkeitsmangel

ARCHIV - Eine auf Demenzkranke spezialisierte Altenpflegerin (r) hält am 13.09.2013 im Fritz-Rupprecht-Heim in Fürth (Bayern) die Hand eines demenzkranken Mannes. (zu dpa "DAK: Angehörige von Demenzkranken wünschen sich mehr Unterstützung" vom 26.10.
Drei von vier Demenzkranken müssen laut DAK-Pflegereport 2017 im Jahr nach der Diagnose ins Krankenhaus. © dpa, Daniel Karmann, dka jai kde cul

"Menschen mit Demenz haben das gleiche Recht auf Würde, Selbstbestimmung und ein sinnerfülltes Leben wie wir alle", sagt Andreas Storm. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagt: "Schon das Bekenntnis, betroffen zu sein, führt zu Isolation. (...) Aus der beliebten Nachbarin wird schleichend 'die Demente von nebenan'." Die Krankheit verändere nicht nur die Persönlichkeit, sondern auch das Bild der anderen.

"Freunde und Nachbarn wenden sich aus Unsicherheit und Angst ab. Manche tun so, als sei Demenz ansteckend." Dies sei Diskriminierung. "Wir müssen Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in die Mitte nehmen."

Drei von vier Demenzpatienten müssen laut Report im Jahr nach der Diagnose ins Krankenhaus. Dort würden sie häufiger als andere wegen Flüssigkeitsmangel (plus fünf Prozent), Oberschenkelbruch oder Delirium (jeweils plus vier Prozent) behandelt. Sowohl die Versorgung demenziell Erkrankter als auch die Diagnostik sei nicht optimal, hieß es bei der DAK.