Die Panikmache der Datenschützer kommt beim Nutzer nicht an

Die Panikmache der Datenschützer kommt beim Nutzer nicht an

Ein Kommentar von Sebastian Werner

NSA, Open Data, Heartbleed: Stichworte, bei denen vielen Internetnutzern scheinbar wirklich das Herz 'zu bluten' beginnt, wenn man panischen Blogeinträgen, Expertenaussagen und Warnungen glaubt. Doch schocken Schreckensmeldungen über Datenmissbrauch, Passwortklau und Online-Spionage die große Masse der User im Netz wirklich so sehr? Ich bezweifle es.

Haben Sie nach der Heartbleed-Sicherheitslücke, die viele große Online-Dienste betraf, alle ihre Passwörter geändert? Haben Sie überhaupt überall ein unterschiedliches Passwort? Bestehen Ihre Passwörter aus zufälligen Zifferfolgen mit Groß- und Kleinschreibung? Wenn Sie alle Fragen mit 'Nein' beantwortet haben – glauben Sie mir, Sie sind nicht allein. Denn es ist wirklich lästig, alle diese Regeln zu beachten.

Und wozu eigentlich? Das Problem ist: Die Bedrohung ist zu abstrakt. Viele Menschen denken sich nun mal: Solange mein Konto nicht leergeräumt wird, habe ich kein Problem mit Onlinebanking über die App eines unbekannten Anbieters aus dem Ausland. Solange die CIA nicht gleich bei mir vor der Tür steht, darf die NSA gern lauschen – ich habe ja nichts zu verbergen. Solange ich noch in mein Facebook-Konto komme und keiner meine Nachrichten manipuliert, brauche ich kein sicheres Passwort.

Man muss den einzelnen Menschen verstehen – er hat ja ein entspanntes Leben, wenn er die vermeintlichen Sicherheitsregeln im Netz ignoriert, und ihm dann doch nichts passiert.

Da nimmt man doch auch gern personalisierte Werbung in Kauf, Open Data sei Dank. Es ist praktisch, wenn mir überall im Netz die passenden Schuhe in Bannern angeboten werden, nach denen ich noch vor kurzem gegoogelt habe. Warum ist es schlimm, wenn Amazon, Facebook und Apple genau wissen, mit welchen Dingen Sie bei mir Geld verdienen können? Die letzte Entscheidung habe ich noch selbst – kaufen oder nicht kaufen.

Sicher sind solche Themen übergeordnet auch kritisch zu betrachten, niemand bestreitet, dass durch Missbrauch von Daten Ungerechtes oder Kriminelles auf der Welt geschieht. Aber die Überheblichkeit, mit der Datenschützer und Experten uns bei allen technischen Lösungen belehren, ist für mich als Nutzer nicht immer nachvollziehbar.