Ehemalige IS-Terroristin: "Ich wollte nur noch weglaufen"

Khadija war Teil der gefürchteten Frauenbrigade des IS

Khadija war ein Teil vom IS-Terror, hat aber mittlerweile mit der Organisation gebrochen. Zum ersten Mal berichtet die 25-Jährige über ihre Zeit als IS-Terroristin.

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Ehemalige IS-Terroristin packt aus
Mit versteckter Kamera aufgenommene Bilder aus dem IS-Gebiet.

"Am Anfang war ich noch froh. Ich trug eine Waffe, hatte Autorität. Ich denke nicht, dass ich Leuten Angst eingejagt habe, aber dann fragte ich mich: Wohin will ich eigentlich? Ich wurde in etwas Übles hineingezogen", sagt die Syrerin in einem CNN-Interview.

Khadija ist nicht ihr richtiger Name. Aus gutem Grund: Die ehemalige Lehrerin trat im syrischen Ort Rakka in die gefürchtete IS-Frauenbrigade ein. Rakka dient den IS-Extremisten als Hauptstadt ihres ausgerufenen Kalifats. Sie kontrollieren die Stadt bereits seit anderthalb Jahren.

"Wir sind auf Patrouille gegangen. Wenn wir eine Frau sahen, die nicht richtig angezogen war, haben wir sie festgehalten, Manchmal auch ausgepeitscht", berichtet sie.

Zu Beginn der Revolution in Syrien war noch alles gut, erzählt Khadija. Sie fühlte sich als Teil von etwas ganz Großem. Aber dann kam die Gewalt. Ihre Familie wurde mehrfach vertrieben. "Um uns herum war nur noch Chaos. Rebellen, Armee, Fassbomben, Angriffe, Verletzte, Blut. Ich wollte nur noch weglaufen. Mein Problem war: Ich kam dorthin, wo es noch schlimmer war. Ich rannte zu einem Tunesier, der mich in den IS lockte."

Sie lernten sich im Internet kennen, wie sie sagt. Aus Neugier landete sie auf den Sozialen-Netzwerken des IS. Der Mann erzählte ihr, er würde nach Rakka kommen, und dass er sie sogar heiraten könnte. Also zog sie dorthin. Ihre Cousine war bereits mit einem IS-Kämpfer verheiratet.

"Frauen mussten wegen sexueller Gewalt in die Notaufnahme"

Sie wurde ins Hauptquartier der Brigade gebracht und lernte dort die Kommandantin kennen. "Sie war eine starke Persönlichkeit und hatte klare Züge. Sie war eine Führerin, keine normale Frau", sagt Khadija.

Im gleichen Gebäude befindet sich ein Büro, das sich um arrangierte Hochzeiten für die Kämpfer aus dem Ausland kümmert. Oft sind es Zwangsheiraten.

"Die Ausländer sind sehr brutal zu Frauen. Sogar zu denen, die sie heiraten. In einigen Fällen mussten die Frauen wegen der Gewalt - der sexuellen Gewalt - in die Notaufnahme."

Die 25-Jährige realisierte immer mehr, worin sie da geraten war. "Ich habe einen Mann gesehen, dem sie direkt vor mir den Kopf abgehackt haben. Danach habe ich gesagt: Nein, ich muss weg hier."

Die junge Syrerin floh aus Rakka, kurz bevor die Luftangriffe der Amerikaner und der Verbündeten begannen.

Khadijas Wunsch sei es, einfach wieder ein fröhliches Mädchen zu sein – so wie sie es einmal war.