Ein Job allein reicht nicht zum Leben – immer mehr Menschen haben mehrere Arbeitgeber

3,2 Millionen Menschen brauchen einen Zweitjob
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Eine Million mehr Zweitjobs als vor zehn Jahren

Das sollte zu denken geben: Immer mehr Menschen in Deutschland kommen allein mit einer Arbeitsstelle nicht mehr über die Runden und sind auf einen Zweitjob angewiesen. 3,2 Millionen Betroffene gibt es inzwischen, das sind zehn Prozent aller Beschäftigten und eine Million mehr als vor zehn Jahren.

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2,7 Millionen Menschen haben mindestens einen weiteren Job

Jobcenter mit Logo am 09.09.2016 in Berlin-Mitte xKATJPGx
Jobcenter in Berlin © imago/Revierfoto, imago stock&people

Das häufigste Modell ist die Kombination aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mit mindestens einer zusätzlichen geringfügigen Beschäftigung; das machen 2,7 Millionen Menschen. Mehr als 310.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte haben sogar mindestens zwei Nebenjobs.

Eine dritte Variante: 260.000 Menschen üben eine ausschließlich geringfügige Beschäftigung plus mindestens eine weitere geringfügige Beschäftigung aus. 

Fast fünf Millionen sind ausschließlich geringfügig beschäftigt

ARCHIV - Eine Verkäuferin greift am 14.03.2011 in einer Filiale einer traditionellen Bäckerei in Zwenkau (Landkreis Leipzig) nach einem Brot. (ZU dpa "Bäcker zwischen Pleite und Finanzinvestoren - Am Bahnhof läuft's" vom 20.09.2017) Foto: Jan Woitas/
32 Millionen Menschen in Deutschland haben einen sozialversicherungspflichtigen Job - für zehn Prozent von ihnen ist das zu wenig. © dpa, Jan Woitas, woi wst

Das geht aus einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Die Linke im Bundestag hatte die Zahlen bei der BA angefragt.

"Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus. Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig", kritisierte Linken-Sprecherin Sabine Zimmermann. Viel zu viele Menschen seien arm trotz Arbeit. "Die scheidende Bundesregierung hat hier auf der ganzen Linie versagt." Die Einführung des Mindestlohns sei nicht ausreichend gewesen, um Arbeit existenzsichernd zu machen. Nötig seien dessen Erhöhung und die Abschaffung von "Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit".

Die Arbeitslosigkeit war zuletzt auf ein neues Rekordtief gesunken. Knapp 2,5 Millionen Arbeitslose gab es im September. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm in den vergangenen Jahren fast kontinuierlich von 26,8 auf knapp 32 Millionen zu, die der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sank von 5,2 auf rund 4,9 Millionen.