"Einfach nur billigster Dreck": Diese Kritik an 1,99€-Steak von Aldi geht viral

"Einfach nur billigster Dreck"
"Einfach nur billigster Dreck" Diese Kritik an 1,99€-Steak von Aldi geht viral 00:01:58
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Verbraucher macht seinem Ärger Luft - und auch Aldi bezieht Stellung

"Hallo Aldi", beginnt Dominik Boisen seinen Facebook-Post. "Diese Woche habt ihr BBQ-Nackensteak im Angebot. 600 Gramm mariniertes Schweinenacken-Steak für 1,99 Euro". In den folgenden Zeilen schreibt er sich in Rage und macht deutlich, was er von solch einem "Angebot" hält. "Euer Verhalten ist nicht nur zum Kotzen, sondern auch verantwortungslos". Und damit trifft er offenbar einen Nerv. Sein Post wurde mehr als 30.000 Mal geliked, knapp 10.000 Nutzer teilten ihn. Inzwischen hat sich sogar Aldi zu der Kritik geäußert.

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"Billig, billiger, am billigsten - das ist eure Religion"

Wie kann es sein, dass mehr als ein halbes Kilo Fleisch weniger als zwei Euro kostet? Das ist die zentrale Frage, die Boisen in seinem Post aufwirft. "Von preisWERT kann bei diesem Angebot sicher keine Rede sein. Das ist einfach nur billigster Dreck, für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde - am meisten die, die sich am wenigsten wehren können: Die Tiere", schreibt er.

Seine Kritik richtet sich dabei keineswegs nur an Aldi, sondern auch an andere Discounter mit ähnlichen Angeboten. "Es wäre für Euch ein Leichtes, Eure Marktdominanz zu nutzen, um mit gutem Beispiel voran zu gehen und die Zustände positiv zu verändern. Aber daran habt Ihr gar kein Interesse. Stattdessen treibt Ihr im stetigen Kampf um Marktanteile die Preisspirale im Wettbewerb", kritisiert Boisen.

Und die Mehrheit der User gibt ihm Recht: "Nach wie vor bin ich der Meinung, würde es nicht so viele Menschen geben, welche nach dem 'Geiz ist geil-Prinzip' leben, dann würde es solche Angebote auch nicht geben", kommentiert einer. Ein anderer schreibt: "Ethik und Wert eines Erzeugnisses wären Themen, die für mich zum schulischen Lehrstoff gehören würden". Viele bedanken sich auch für die kritische Stimme, die aus ihrer Sicht längst überfällig war. "Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die sich aufregen und fragen, wer wohl die Verlierer in dieser Produktionskette sind", kommentiert eine Frau.

Es gibt aber auch User, die Billigangebote grundsätzlich verteidigen. "Gäbe es kein Discounterangebote hätten viele Kinder keine Bananen zuhause", schreibt eine Frau. "Viele haben nicht die finanziellen Mittel, beim Schlachter zu kaufen und da sie nicht auf Fleisch verzichten wollen, kaufen sie Billigfleischt", mutmaßt ein anderer User. Mehr als 2.000 Kommentare haben sich inzwischen unter dem Post angesammelt. 

So rechtfertigt sich Aldi

Das Unternehmen hat inzwischen auf den Shitstorm bei Facebook reagiert und dem verärgerten Verbraucher geantwortet. "Wir wissen, dass wir als einer der führenden Discounter die Aufgabe haben, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – dies gilt nicht nur in Bezug auf Menschen und unsere Umwelt, sondern auch für den Umgang mit Tieren", schreibt Aldi. Der Discounter verweist auf sein Engagement "in der branchenübergreifenden, freiwilligen 'Initiative Tierwohl`", in der er sich "für die Förderung einer tierartgerechten und nachhaltigen Fleischerzeugung" einsetzt.

Die meisten Nutzer halten es allerdings für wenig glaubwürdig, dass dem Unternehmen das Wohl der Tiere wirklich am Herzen liegt. "Genau dafür hat Aldi bei der 'Initiative Tierwohl' mitgewirkt, um sich durch eine positive Antwort auf kritische Kampagnen oder Kommentare gegen Aldi rein zu waschen", schreibt ein Nutzer. "Das Label ist doch nur Augenwischerei. Solange eine Tüte Gummibärchen teurer ist als Lebensmittel. Ihr hättet die Macht, den entsprechenden Druck auf Hersteller und Verbraucher zu erzeugen", merkt eine Frau an. 

Boisen begegnet der Reaktion Aldis vor allem mit Ironie: "Vielen Dank, dass Ihr Euch nach anderthalb Wochen und über 23.000 Reaktionen auf meinen Post doch noch zu einer Antwort entschlossen habt. Das ist sehr mutig von Euch". Aus seiner Sicht handelt es sich bei der 'Initiative Tierwohl' um "nicht mehr als eine Schönheitskorrektur", einen "kosmetischen Eingriff, der die wesentlichen Mängel und Missstände der Fleischindustrie unberührt und weiter fortbestehen lässt". 

Viel wichtiger als die Reaktion des Unternehmens sind für ihn allerdings die Verbraucher, die er mit seiner Kritik zum Nachdenken bringen konnte. "Es trifft - aus verschiedenen Gründen - offenbar einen Nerv. Betrachtet man die Diskussionsbeiträge, wird schnell erkennbar, dass hier - aus verschiedenen Perspektiven betrachtet - zahlreiche Missstände innerhalb unserer Gesellschaft berührt sind", schreibt er.