Eisdielen-Drama von Bremervörde: Vier Monate Haft für prügelnden Gaffer

Vier Monate Haft für prügelnden Gaffer
Vier Monate Haft für prügelnden Gaffer Eisdielen-Drama von Bremervörde 00:00:38
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Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung

Er prügelte sich mit Polizisten und behinderte Rettungskräfte, die nach einem Unfall um Menschenleben kämpften. Jetzt hat er die Quittung für sein Verhalten bekommen: Das Amtsgericht Bremervörde hat einen Gaffer zu vier Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Vorsitzende Richter sah den Tatvorwurf des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und der Körperverletzung als erwiesen an. Die beiden Mitangeklagten wurden zu Geldstrafen von 100 beziehungsweise 150 Euro verurteilt.

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Der Angeklagte Omar A. (l-r), sein Anwalt Lars Zimmermann, Anwalt Lorenz Hünnemeyer, die Angeklagten Ezzedin A. und Mohammed A. und sein Anwalt Rainer Kattau sitzen am 07.03.2017 in Bremervörde (Niedersachsen) vor Beginn der Verhandlung im Saal des A
Prozesses gegen drei mutmaßliche Gaffer: Die Angeklagten vor dem Amtsgericht Bremervörde. © dpa, Carmen Jaspersen, crj pat

Es war ein wahrer Albtraum, der sich am Abend des 5. Juli 2015 in Bremervörde in Niedersachsen abspielte: Eine Frau raste nach einem epileptischen Anfall mit ihrem Auto in eine gut besuchte Eisdiele. Ein Mann und ein zwei Jahre alter Junge starben, neun Menschen wurden verletzt. Schon kurz nach dem Unglück wimmelte es am Unfallort von Schaulustigen. Sie wollten möglichst nah am Geschehen sein, gafften und holten ihre Handys aus den Taschen. 

Während die Rettungskräfte noch um Menschenleben kämpften, fielen drei Brüder im Alter von 20, 27 und 36 Jahren am Unfallort als "besonders auffällige Gaffer" auf. Die Einsatzkräfte warfen ihnen vor, Videoaufnahmen mit ihren Handys gemacht zu haben. Der Hauptangeklagte lieferte sich eine Rangelei mit einem Polizisten, nachdem er aufgefordert worden war, mit dem Filmen aufzuhören. Ein Feuerwehrmann, der die Auseinandersetzung beenden wollte, bekam einen Tritt in den Rücken. Während des Prozesses kamen mehrere Zeugen zu Wort. Sie sagten aus, dass einer der Angeklagten den Beamten während des Einsatzes zugerufen haben soll: "Ich hau euch alle um." 

Unfallfahrerin starb kurz nach Urteil

Die Verteidiger hatten in allen drei Fällen Freispruch gefordert und schlossen Rechtsmittel gegen das Urteil nicht aus. Die Anwälte sprachen von einer medialen und politischen Stimmungsmache gegen ihre Mandanten und kritisierten Ermittlungsfehler. Vor Gericht sagten sie, es sei nie zweifelsfrei bewiesen worden, dass der Hauptangeklagte Fotos oder Videos gemacht habe.

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Die Unfallverursacherin war wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden und wenige Tage nach dem Urteil gestorben. Im Gerichtssaal hatte sie den Hinterbliebenen der Opfer ihr Beileid ausgesprochen. Sie war bereits vor dem Unfall wegen Epilepsie in Behandlung.