Erdogan fordert Musliminnen auf, sich zu vermehren

HANDOUT - Dieses vom Presidency Press Service zur Verfügung gestellte Bild zeigt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der am 10.11.2017 in Ankara (Türkei) bei einer Zeremonie zum 79. Todestag des türkischen Gründungsvaters Mustafa Kemal A
Erdogan bei seiner Rede zum 79. Todestag des türkischen Gründervaters Atatürk. © dpa, Kayhan Ozer, LP wal pat

"Es ist die Pflicht eines Muslims, sich zu vermehren"

Am Todestag des türkischen Gründervaters Atatürk hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan im Präsidentenpalast an Musliminnen appelliert, zu heiraten und Kinder zu zeugen. Und das nicht nur in der Türkei! 

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Erdogan über die Möglichkeiten einer muslimischen Frau

"Was sagen mein Gott und unser Prophet? Der Befehl ist klar und deutlich. Vermählt Euch, heiratet und vermehrt Euch", sagte Erdogan in Ankara vor jungen Frauen aus 50 muslimischen Staaten. "Es ist die Pflicht eines Muslims, sich zu vermehren." Zugleich betonte Erdogan, dass Musliminnen nicht auf die Mutterrolle beschränkt sein müssten: "Die muslimische Frau ist nicht nur eine gute Mutter, sondern wenn nötig auch eine bahnbrechende Wissenschaftlerin, Politikerin, Lehrerin und sogar eine kühne Kriegerin." 

Erdogan lobte Atatürk in höchsten Tönen - eine Wahlkampftaktik?

Atatürk, der am 10. November vor 79 Jahren verstorben war, hatte die Türkei nach Westen ausgerichtet. Säkulare Kritiker werfen Erdogan seit Jahren vor, das Rad zurückdrehen zu wollen und die Türkei zu islamisieren. In jüngster Zeit ist aber zu beobachten, dass Erdogan den Gründer der Republik und deren ersten Präsidenten wieder verstärkt in den Vordergrund stellt. Zum Todestag lobte Erdogan Atatürk nun in den höchsten Tönen. Er sprach von der "unendlichen Achtung unseres Volkes" für den "Gründungsvater unserer Geschichte".

Gleichzeitig nutze er die Chance, um die von Atatürk gegründete Partei 'CHP' während seiner Rede anzugreifen. Er sprach der kemalistischen Partei das Recht ab, Hüterin von Atatürks Erbe zu sein. Im Gegenteil: Die von der 'CHP' betriebene Politik habe nichts mit dem "Atatürk in den Herzen unseres Volkes" zu tun, sagte er. Man werde nicht erlauben, dass die 'CHP' "unserem Volk Atatürk stiehlt". 

Die CHP hält die neue Vereinnahmung Atatürks durch den islamisch-konservativen Präsidenten allerdings für ein durchsichtiges Manöver: Die Partei wirft Erdogan vor, seine plötzliche Zuneigung zu Atatürk aus wahltaktischen Gründen entdeckt zu haben. Auslöser seien Umfragewerte und der nur knappe Sieg Erdogans beim Verfassungsreferendum zum Präsidialsystem im vergangenen April, so Vize-Fraktionschef Özgür Özel. In zwei Jahren stehen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an, mit denen die Einführung des von Erdogan betriebenen Präsidialsystems in der Türkei abgeschlossen werden soll.