EXTRA-Spezial: Tatort Thailand

EXTRA-Spezial: Tatort Thailand
Alleine 399 Missbrauchsfälle konnten nachgewiesen werden.

Wie ein hundertfacher deutscher Kinderschänder enttarnt und gestellt wird

Eigentlich sollte es eine Reportage über Hoteliers im thailändischen Pattaya werden und wie sie die Kinderprostitution dulden. Doch die Recherche führt das EXTRA-Team in ein Kinderheim vor Ort und damit auf die Spur eines unglaublichen Falles: Ein damals 64-jähriger Rentner aus Celle hatte über einen Zeitraum von vier Jahren sieben Kinder und 25 Jugendliche aus der Region missbraucht. Sein jüngstes Opfer war erst elf Jahre alt.

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Knapp zwei Jahre lang dokumentiert das EXTRA-Team daraufhin einen Fall von bisher ungekanntem Ausmaß: Der seit Jahren HIV-infizierten Sex-Tourist wurde, dank der intensiven Kooperation zwischen thailändischen und deutschen Behörden, inzwischen wegen sexuellem Missbrauchs von Minderjährigen in nachweislich 399 Fällen rechtskräftig verurteilt. Sie bekommen gnadenlos die Nebenwirkungen einer riesigen Sexindustrie zu spüren. Für rund 13 Euro werden sie vom Kind zum Missbrauchsopfer. Tausende von Kindern und Jugendlichen im thailändischen Pattaya werden als Kinderprostituierte den perversen und oftmals pädophilen Sex-Touristen angeboten. Darunter auch die damals elfjährige Lek, die Zuflucht in einem lokalen Kinderheim sucht, da sie von einem deutschen Rentner missbraucht wird. Khumtscha, der Leiter des Kinderheims, leistet regelmäßig Detektivarbeit, arbeitet eng mit den Behörden zusammen. Er nimmt gemeinsam mit dem Extra-Team die Spur auf.

Schließlich kann der EXTRA-Reporter Burkhard Kress den damals 64-jährigen Rentner in seinem Heimtort Celle stellen und bekommt nach mehreren Begegnungen ein erschreckendes Geständnis: Der ehemalige Feldwebel gibt zu, dass er regelmäßig sexuellen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen in Pattaya hat - und das ungeschützt, obwohl er um seine HIV-Infektion weiß.

Die Ermittler in Thailand und Deutschland beschlagnahmen schließlich mehrere Umzugskartons mit insgesamt über 140 Videokassetten, dutzenden von Fotos und Kalendereintragungen, auf denen der Mann seine sexuellen Aktivitäten akribisch beschreibt und archiviert. Umfangreiche Listen mit Namen und Alter seiner minderjährigen Sexualpartner können sichergestellt werden. Eine Sammlung, die selbst hartgesottene Ermittler erschüttert.

So leiden die missbrauchten Kinder heute

Nach gut einem Jahr Untersuchungshaft, in dem der Rentner nach seinem überraschenden Geständnis die Aussage verweigert, wird der als sexsüchtig eingestufte Mann im März diesen Jahres durch das Landgericht Lüneburg zu neun Jahren Haft wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in 399 Fällen in einem Zeitraum von mehr als vier Jahren verurteilt. Für die betroffen Kinder wie Lek oder Mook eine schwache Genugtuung. Lek ist heute HIV-positiv und lebt chancenlos am absoluten Rand der Gesellschaft - ob sie sich durch den heute 66-jährigen Rentner angesteckt hat, ist nicht mehr nachweisbar.

Und die traurigen Spuren, die der ehemalige Feldwebel hinterlässt, scheinen nicht abzureißen. Weitere Recherchen führen Reporter Burkhard Kress und RTL-Auslandskorrespondenten Alexander Grawe erneut nach Pattaya zu der heute 13-jährigen Faredar, ein ganz normales Mädchen, das nie als Kinderprostituierte gearbeitet hat. Sie berichtet, dass der Mann aus Celle sie vor zwei Jahren mit Süßigkeiten in ein Zimmer gelockt und missbraucht hat.

EXTRA-Reporter Burkhard Kress: "Wir sind alle schockiert von dem Ausmaß des Missbrauchs und hoffen, dass wir mit der lückenlosen Dokumentation dieses Falls, vom Anfangsverdacht in Thailand bis zur Verurteilung in Deutschland, auch ein abschreckendes Zeichen setzen können. Wir werden auch weiterhin mit dem Kinderheim und den Behörden in Pattaya in Kontakt bleiben."

So können Sie den missbrauchten Kindern helfen:

Stiftung RTL - Wir helfen Kindern e.V.

Konto 1512151 Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98

Stichwort: Extra Kinderheim Thailand