Feiger Angriff auf Büro der Hilfsorganisation 'Save the Children' in Afghanistan

Feiger Angriff auf Büro der Hilfsorganisation 'Save the Children' in Afghanistan
Um solche Flüchtlingslager wie hier in Dschalalabad kümmern sich die Mitarbeiter von 'Save the Children'. Ihr Büro in Dschalalabad wurde nun angegriffen. © dpa, -, afn

In dem Büro arbeiten 100 Menschen für notleidende Kinder

Die Gewalt gegen Zivilisten in Afghanistan reißt nicht ab: Erst am Wochenende hatten die Taliban ein großes Hotel in Kabul angegriffen und mindestens 20 Menschen getötet, darunter eine Deutsche. Jetzt haben Unbekannte in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad das Büro der internationalen Hilfsorganisation 'Save the Children' (Rettet die Kinder) angegriffen. Das bestätigte ein afghanischer Mitarbeiter der Organisation. Ihm zufolge arbeiten in dem Büro um die 100 Menschen. Mindestens vier Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben, darunter ein Zivilist. Außerdem seien zwei der mutmaßlich islamistischen Attentäter tot. Einer habe sich am Tor des Gebäudes in Dschalalabad in die Luft gesprengt, ein anderer sei später von Sicherheitskräften erschossen worden. Weitere 20 Menschen wurden nach Angaben der Provinzregierung verletzt.

Unklar, wie viele Attentäter in dem Haus sind

Der Regierungssprecher der östlichen Provinz Nangarhar, Attaullah Chogiani, berichtete, der Angriff habe gegen 9.00 Uhr Ortszeit begonnen. Zuerst habe sich vor dem Gebäude ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, dabei seien auch einige Autos in Flammen aufgegangen. Dann drangen nach seinen Worten Bewaffnete in das Haus ein und schossen um sich. Es gibt immer noch Gefechte und es ist weiter unklar, wie viele Attentäter noch in dem Haus sind. 40 Mitarbeiter der Hilfsorganisation sollen in dem weiterhin umkämpften Haus in einem Schutzraum gefangen sein 

Das IS-Sprachrohr Amak verbreitete eine Mitteilung, in der von einer Selbstmordoperation, unter anderem mit einer Autobombe, die Rede war. Ziel seien britische und schwedische Institutionen und afghanische Regierungseinrichtungen gewesen. Die Terrormiliz hat in der Provinz ihre einzige, wenn auch kleine territoriale Basis und verübte in Nangarhar, aber auch in Kabul, zunehmend mehr Anschläge. 

Afghanistan eines der gefährlichsten Länder für Zivilisten

Der afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete, die Attentäter würfen Handgranaten Richtung Sicherheitskräfte. Ein Mitarbeiter berichtete: "Unsere Kollegen sind im Save Room, ich weiß nicht wie viele. Wir haben noch keinen Überblick, wer heute Morgen im Büro war und wer im Feld. Die Angreifer haben den zweiten Stock erreicht. Sie scheinen von da auf auch andere Ziele zu schießen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es allen meinen lieben Kollegen in Jalalabad gerade geht. Ich zittere am ganzen Körper."

'Save the Children' ist eine der größten Hilfsorganisationen in Afghanistan. Die NGO arbeitet seit Jahrzehnten in vielen Provinzen und hilft vor allem Kindern und Müttern in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Ihre Projekte werden auch mit Spenden aus Deutschland unterstützt. Save the Children veröffentlichte über Twitter eine Mitteilung. "Wir sind niedergeschmettert", hieß es darin. Die Organisation sorge sich vor allem um die Sicherheit der Belegschaft und warte auf mehr Informationen.

In einem Plan der UN für die humanitäre Arbeit in Afghanistan in diesem und in den kommenden Jahren hieß es jüngst, dass Afghanistan eines der gefährlichsten Länder der Welt für Helfer sei. In den ersten zehn Monaten von 2017 seien 17 Entwicklungs- und Nothelfer getötet, 15 verletzt und 43 entführt worden.