Frau hinter Auto hergeschleift: Zweijähriger Sohn musste alles mitansehen

Scheidungsschlacht eskalierte

Es ist ein unfassbares Verbrechen, das am Sonntagabend im niedersächsischen Hameln passiert ist: Dort hat ein Mann seine Ex-Frau mit einem Strick an sein Auto gebunden und sie hinter sich her geschleift. Die 28-Jährige ist lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus, von der immer mehr Details an Licht kommen. Ebenfalls erschütternd: Der zweijährige Sohn der Frau und ihres Ex-Partners saß während der Horrorfahrt mit im Wagen, musste wohl alles mitansehen. Das Kind befindet sich mittlerweile in Obhut des Jugendamtes. 

"Es ist unvorstellbar, mit welcher Brutalität und Menschenverachtung diese Tat ausgeführt wurde"

Das Paar soll nach islamischem Recht verheiratet gewesen sein. Aus der Ehe ging auch ihr Sohn hervor, der 2014 zur Welt kam. Nach wenigen Monaten trennte sich das Opfer und ein Scheidungskrieg entbrannte. Der Mann (38) soll die Unterhaltszahlung verweigert und seine Ex-Frau am Telefon bedroht haben. Sie zeigte ihn an, der Scheidungskrieg eskalierte.

Offenbar gab es auch am Sonntagabend, kurz vor dem Tatzeitpunkt, eine Auseinandersetzung zwischen den beiden. Der Ex-Mann des Opfers soll ein Messer gezückt und ihr in den Bauch gerammt haben. Auch ein Streit um das Sorgerecht für das gemeinsame Kind könnte möglicherweise das Motiv für das brutale Verbrechen sein.

"Es ist unvorstellbar, mit welcher Brutalität und Menschenverachtung diese Tat ausgeführt wurde", sagte Hamelns Stadtsprecher Thomas Wahmes. "Hier sind alle erschüttert." Ein Rettungshubschrauber hatte die 28-Jährige in eine Spezialklinik gebracht, wie die Polizei mitteilte. 

Der mutmaßliche Täter stellte sich auf einer Polizeiwache und ließ sich festnehmen. Nach ersten Erkenntnissen soll er seiner Ex-Frau ein Seil um den Hals gebunden und den Strick an der Anhängerkupplung eines Autos befestigt haben. "Der Pkw fuhr dann durch mehrere Straßenzüge im Hamelner Stadtgebiet“, sagt Jens Petersen von der Polizei Hameln-Pyrmont. "Insgesamt rund 250 Meter weit."

Das Seil habe sich dann während der Fahrt vom Auto gelöst. "Unklar ist noch, ob es gerissen ist oder ob sich der Knoten gelockert hat", sagte Petersen. Die 28-Jährige blieb jedenfalls auf dem Gehweg neben der Kaiserstraße liegen. Dort wurde die lebensgefährlich verletzte Frau von Passanten entdeckt, unter anderem von Polizisten, die kurz vor dem Schichtwechsel auf dem Weg zum Dienst waren. Unmittelbar nachdem sich das Seil gelöst hatte, stellte sich der Täter bei einer nahen Wache der Polizei.

Opfer und Täter sind geschieden

Nach einer ersten Notoperation im Hamelner Krankenhaus wurde das Opfer mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Hannover geflogen und dort erneut operiert. Die Frau liege im Koma und schwebe noch immer in akuter Lebensgefahr, sagte Petersen. 

Der 38-Jährige stellte sich am Sonntag kurz nach der Tat freiwillig der Polizei und ließ sich widerstandslos festnehmen. Der Mann habe sich zwar "als Täter zu erkennen gegeben", sagte Petersen. Zu Hintergrund und Motiv habe er allerdings keine Angaben gemacht.

Bei den Ermittlungen der Polizei stellte sich heraus, dass Opfer und Täter verheiratet waren, mittlerweile jedoch geschieden sind. Beide seien deutsche Staatsangehörige kurdischer Abstammung und gehörten zu verschiedenen Großfamilien. 

Aus Angst vor möglichen Racheakten habe die Polizei nach der Tat "Schutzmaßnahmen" ergriffen, sagte Petersen. Es habe bisher aber keinerlei Vorfälle gegeben.