Hamburger Kampagne gegen häusliche Gewalt erobert das Netz

Young woman is sitting hunched at a table at home, the focus is on a man's fist in the foregound of the image
Häusliche Gewalt ist in vielen Haushalten bitterer Alltag. (Symbolbild) © Getty Images/iStockphoto, lolostock

Gewalt gegen Frauen muss angegangen werden

"Alle fünf Minuten wird eine Frau Opfer häuslicher Gewalt." Die Hamburger Sozialbehörde sorgt mit einer neuen Werbekampagne für großes Aufsehen, weil die Kampagne die Werbung einer Dating-Plattform kopiert. Im Internet hat sich die Kampagne schon vor der offiziellen Vorstellung rasant verbreitet. Und das ist gut so: Denn Gewalt gegen Frauen ist ein alltägliches Problem.

Jede vierte Frau ist betroffen

Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren wurde bereits einmal in ihrem Leben von ihrem Lebensgefährten oder Ex-Lebensgefährten misshandelt. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchem gesellschaftlichen Umfeld sie kommt, oder aus welcher Kultur. Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland weit verbreitet.

Gewalt gegen Frauen kann viele Formen haben: Über häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, über Mobbing und Stalking bis hin zu Gewalt im Namen der Ehre, Zwangsverheiratung und Genitalverstümmelung und nicht zuletzt digitaler Gewalt gibt es viele Arten, Frauen zu unterdrücken, um Macht und Kontrolle über sie zu bekommen.

Auch die Irin Emma Murphy wurde Opfer häuslicher Gewalt. Im Video erzählt sie ihre Geschichte. 

SO macht dieses Opfer (26) anderen Frauen Mut
SO macht dieses Opfer (26) anderen Frauen Mut Häusliche Gewalt 00:03:03
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"Du bist es wert, ein Leben in Würde zu führen!"

In einigen Online-Interviews erzählen betroffene Frauen, wie sie sich fühlten und wie sie es geschafft haben, sich aus ihrer Situation zu befreien. Denn viele Frauen, die Gewalt erleiden, sind hilflos und wütend, traurig oder beschämt: "Ich habe mich schuldig gefühlt", berichtet eine Frau, die zunächst bei ihrem Mann blieb, obwohl er sie schlug, auf der Internetseite der Initiative 'aus-weg.de'. Bis sie erkannte, dass sie nichts falsch gemacht hatte: Sie hatte keine Schuld. Und sie war nicht allein, anderen Frauen ging und geht es ähnlich. "Jede Frau sollte ermutigt werden, dass sie es wert ist, ein Leben in WÜRDE zu haben", erzählt sie weiter. 

Die Hemmschwelle, sexualisierte Gewalt anzuzeigen, ist für Frauen aber besonders hoch. Jährlich werden in Deutschland an die 8.000 Vergewaltigungen angezeigt, so 'tagesschau.de'. Die Dunkelziffer liegt aber erheblich höher. Eine Studie in Niedersachsen kam zu dem Ergebnis, dass nur sieben Prozent der Sexualdelikte tatsächlich angezeigt wurden. Dabei führen alle Formen von Gewalt und Belästigung bei den Frauen sehr oft zu psychischen Folgebeschwerden. Es können sich Schlafstörungen entwickeln, Ängste, Depressionen und Suizidgedanken bis hin zu Essstörungen, Drogen- und Alkoholsucht.  

Hier finden Sie Hilfe bei häuslicher Gewalt

Beim bundesweiten Hilfe-Telefon unter der Nummer 08000 116 016 oder per Online-Beratung auf der Seite https://www.hilfetelefon.de/ werden Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung unterstützt – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, anonym. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte werden kostenfrei beraten. In 17 Sprachen, darunter auch Gebärdensprache, können sich Frauen an die Beraterinnen wenden. Auf der Website gibt es sogar einen Notfall-Button, der sofort auf eine andere Seite weiterleitet, falls die Frau überrascht werden sollte. Auch Prominente werben für das Hilfe-Telefon mit dem Slogan: Wir brechen das Schweigen '#schweigenbrechen'.

Unter dem Hashtag '#metoo' haben weltweit bereits hunderttausende Frauen von sexuellen Übergriffen berichtet. Die Reaktion einiger Männer lässt jedoch den Schluss zu, dass vielen garnicht bewusst ist, wie oft das passiert. Aber Gewalt kann jede Frau treffen, an jedem Tag, in jeder Situation, in unterschiedlicher Form. Gewalt gegen Frau ist bitterer Alltag – und die meisten von ihnen schweigen, aus Angst, aus Scham, aus Selbstzweifeln. Dabei sind sie eben nicht allein. Darauf will die Kampagne aufmerksam machen: Holt euch Hilfe – und eure Würde zurück!