Hohe Abgabenlast für Arbeitnehmer: So mancher zahlt über die Hälfte seines Einkommens

Auch Geringverdiener zahlen satte Steuern
Auch Geringverdiener zahlen satte Steuern Hohe Abgaben belasten Arbeitnehmer 00:00:37
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Deutschland hat die zweithöchsten Abgaben

Dass der deutsche Steuerzahler besonders tief in die Tasche greifen muss, ist spätestens seit dem kürzlich vorgestellten OECD-Ranking bekannt. Was die Höhe der Abgabenlast angeht, liegt Deutschland auf Platz zwei. Nur in Belgien fallen die Kosten noch höher aus. Vor allem Gering- und Durchschnittsverdiener leiden sehr unter der hohen Belastung – manche bekommen mehr als die Hälfte ihres Einkommens niemals zu Gesicht.

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Ein Single mit einem Bruttogehalt von 1.940 Euro im Monat muss beispielsweise 46 Prozent seines Gehalts als Steuern und Sozialabgaben abführen. Ein Alleinstehender, der 3.250 Euro monatlich verdient, muss sogar 51 Prozent zahlen. Das heißt, ihm bleibt weniger als die Hälfte seines Gehalts. Diese Zahlen gingen aus einer unveröffentlichten Studie des 'Instituts für deutsche Wirtschaft Köln' hervor, über die das 'Handelsblatt' berichtete.

Brauchen wir Steuerentlastungen?

Die Union will Normalverdiener in Zukunft steuerlich etwas entlasten. Allerdings bleibt dabei wohl nicht viel Spielraum. Denn die hohen Kosten werden vor allem durch hohe Sozialleistungen verursacht. Die Kranken- und Pflegeversicherungen für alle Arbeitnehmer verschlingen große Summen. Und auch die gesetzlichen Rentenbeiträge dürften in nächster Zeit noch weiter steigen.

Trotzdem tragen die Spitzenverdiener den Löwenanteil der Steuereinnahmen. 4,2 Millionen Arbeitnehmer zahlen hierzulande den höchstmöglichen Steuersatz. Diese zehn Prozent der Arbeitnehmer sind für rund die Hälfte der gesamten Einkommenssteuereinnahmen zuständig. 2,7 Millionen Erwerbstätige verdienen so wenig, dass sie gar keine Steuern zahlen müssen.

Wirtschaftsexperten verlangen, dass Steuern und Sozialabgaben unter der Grenze von 40 Prozent bleiben müssten. Arbeitnehmer wären ansonsten zu stark belastet und Unternehmen würden in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt. Steuersenkungen könnten vor allem im Bereich der kleinen und mittleren Einkommen Arbeitsanreize schaffen und so das Wachstum weiter ankurbeln, was allen zugute käme, meint OECD-Experte Pascal Saint-Amans.