Iranischer Ajatollah ruft zu Mord an Rapper aus Köln auf

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Ein iranischer Ajatollah hat ein Todesdekret gegen den in Deutschland lebenden Rapper Shahin Najafi erlassen. © imago stock&people, Imago/David Heerde

Shahin Najafi soll Iman beleidigt haben

Der iranische Großajatollah Ali Safi-Golpajegani hat ein Todesdekret gegen den in Deutschland lebenden Rapper Shahin Najafi erlassen. Der 31-jährige Musiker soll in seinem Song 'Imam Naghi' den zehnten Propheten der schiitischen Muslime beleidigt haben. Safi-Golpaygani, der im Iran als eine Art Leitfigur gilt, habe das Lied als Gotteslästerung gedeutet. Mit dem Todesdekret sind nun nicht nur Schiiten, sondern auch andere Muslime aufgerufen, den Mann zu ermorden und "für immer in die Hölle zu schicken".

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Najafi war im Iran zunächst Untergrundmusiker und politischer Aktivist, bevor er im Jahre 2005 nach Deutschland auswanderte. Im Iran werden seine Songs und Alben entweder auf dem Schwarzmarkt gekauft oder im Internet heruntergeladen. Wegen seiner islamkritischen Texte steht der Musiker in seinem Heimatland schon seit längerem auf der schwarzen Liste der Dissidenten ganz oben.

Der in Köln lebende Rapper hat mittlerweile Strafanzeige gegen den Ajatollah gestellt. Najafi lebt nun an einem geheimen Ort unter Polizeischutz. Dem 'Spiegel' sagte er: "Ich mache weiter, das weiß ich. Ich kann mich nicht verstecken. Ich bin Musiker. Ich muss auftreten."

"Die machen keinen Spaß´"

Andererseits sei ihm aber auch klar, dass er "einfach aufpassen" müsse. "Die machen keinen Spaß." Anfangs habe er die Situation noch falsch eingeschätzt. "Ich konnte es nicht glauben. Erst als ich im Internet das Kopfgeld sah, die 100.000 Dollar, die auf mich ausgesetzt worden sind, verstand ich wirklich, das ist jetzt Ernst." Diese Einschätzung teile auch das nordrhein-westfälische Innenministerium, das die Lage für Najafi als "sehr ernst" einstufe, berichtete der 'Spiegel'.

Das letzte Todesdekret eines iranischen Ajatollah war gegen den britischen Autor Salman Rushdie gerichtet. Im Februar 1989 hatte Irans damaliger religiöser Führer Ajatollah Khomeini das Dekret gegen den gebürtigen Inder wegen Gotteslästerung in seinem Buch 'Die Satanischen Verse' erlassen. Rushdie stand für mehr als zwölf Jahre unter Polizeischutz und musste in all den Jahren um sein Leben bangen. Erst 2001 erklärte der damalige Präsident Mohammed Chatami, dass der Iran dieses Dekret nicht ausführen werde.