Katalonien-Krise: 200.000 Menschen protestieren gegen Festnahmen

200.000 Menschen protestierten friedlich in Barcelona
200.000 Menschen protestierten friedlich in Barcelona Mit Kerzen zogen die Demonstranten durch die Straßen 00:00:20
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Die Katalonien-Krise spitzt sich weiter zu

Am Dienstagabend sind in Barcelona knapp 200.000 Menschen auf die Straße gegangen. Friedlich haben sie gegen die Festnahme von zwei Anführern der Unabhängigkeitsbewegung protestiert. Ein heikler Zeitpunkt für Massendemonstrationen: Bereits am Donnerstag läuft ein für die Katalanen entscheidendes Ultimatum ab.

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Proteste in Katalonien bleiben friedlich

Mit Kerzen in der Hand zogen die Demonstranten durch die Straßen. "Freiheit für die politischen Gefangenen" war auf ihren Plakaten zu lesen. Sie skandierten: "Spanische Justiz raus". Allein in Barcelona waren es an diesem Abend 200.000 Menschen. In Girona, Reus und anderen Städten der Region kam es zu ähnlichen Protesten. Alle verliefen friedlich.

Zu den Protesten aufgerufen hatten die beiden einflussreichsten Organisationen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung: die Katalanische Nationalversammlung (ANC) und Omnium Cultural. Ihre Präsidenten sitzen seit Montag in Untersuchungshaft. Jordi Sànchez und Jordi Ciuxart wird "aufrührerisches Verhalten" bei einer Demonstration am 20. September vorgeworfen. Werden die beiden verurteilt, droht ihnen eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

Entscheidendes Ultimatum läuft Donnerstag ab

Die Festnahmen verschärfen das eh schon extrem angespannte Verhältnis zwischen der spanischen Zentralregierung und der Regionalregierung Kataloniens. Besonders belastet ist dieses momentan von einem Ultimatum, das Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag ausgesprochen hat. Bis Donnerstag um 10 Uhr müsse Regionalpräsident Carlos Puigdemont endgültig erklären, dass Katalonien die Bestrebungen für einen eigenen Staat aufgibt. Tue er das nicht, werde Madrid "harte Maßnahmen" ergreifen. Kataloniens Regierungssprecher Jordi Turull versicherte bereits vor Ablauf der Frist, dass Carlos Puigdemont dem Druck aus Madrid nicht nachgeben werde. Der katalanische Regierungschef werde Mariano Rajoy erneut einen Dialog anbieten. Diesen hatte der spanische Ministerpräsident bisher konsequent abgelehnt.

Gericht erklärt Referendum für verfassungswidrig

Für zusätzliche Spannungen sorgt zudem ein Beschluss des Verfassungsgerichts in Madrid. Dieses erklärte am Dienstag das katalanische Referendum vom 1. Oktober offiziell für verfassungswidrig. Das Unabhängigkeitsreferendum, bei der sich 90 Prozent der Katalanen für eine Abspaltung von Spanien aussprachen, verletze unter anderem die "unauflösliche Einheit der spanischen Nation".