Katalonien-Krise: 450.000 Menschen demonstrieren in Barcelona gegen Madrid

Katalonien: Wie geht es weiter?
Katalonien: Wie geht es weiter? 00:01:45
00:00 | 00:01:45

Separatisten wollen weiter kämpfen

Katalonien kommt nicht zur Ruhe. Am Samstag kündigte die spanische Regierung an, den separatistischen Regierungschef als Ministerpräsidenten abzusetzen und das Regionalparlament neu wählen zu lassen. Am selben Tag mobilisierten die Unabhängigkeits-Aktivisten erneut die Massen. 450.000 Menschen demonstrierten in Barcelona gegen die Regierung in Madrid.

- Anzeige -

"Inakzeptabler Angriff auf die Demokratie"

Spanish Prime Minister, Mariano Rajoy, addresses a press conference after chairing the extraordinary Cabinet Meeting held to pass the concrete measures to apply Article 155 of the Spanish Constitution to deal with the actions of Catalan regional Pres
Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy © imago/Agencia EFE, Juan Carlos Hidalgo, imago stock&people

Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy hatte die Absetzung Carles Puigdemonts und aller Kabinettsmitglieder angekündigt. Mit dieser und weiteren Zwangsmaßnahmen will Madrid den Bestrebungen der Region zur Loslösung von Spanien nach langem Streit ein Ende setzen. Der Countdown läuft: Die Vorkehrungen sollen nach der für Freitag erwarteten Billigung durch den Senat umgesetzt werden. Innerhalb von sechs Monaten sollen in Katalonien Neuwahlen abgehalten werden.

Puigdemont wies die Maßnahmen als "Putsch" sowie als "inakzeptablen Angriff auf die Demokratie" zurück. Man werde "weiter kämpfen", sagte er in einer TV-Ansprache. Zugleich protestierten rund 450.000 Anhänger der Sezessionsbewegung in Barcelona gegen Madrid sowie gegen die Inhaftierung von zwei führenden Aktivisten. Die Demonstranten skandierten unter anderem "Freiheit, Freiheit!". Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie "Help Catalonia!" Sollte die Unabhängigkeit ausgerufen werden, müsste Puigdemont seine sofortige Inhaftierung fürchten.

Eskalation nach umstrittenem Referendum

Puigdemont hatte am 1. Oktober ungeachtet eines Verbots durch das Verfassungsgericht ein Unabhängigkeitsreferendum abgehalten. Rund 90 Prozent der Teilnehmer stimmten für eine Abspaltung von Spanien. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei gut 40 Prozent.

Rajoy reagiert mit den Maßnahmen auf die Weigerung von Puigdemont, am vorigen Donnerstag ein Ultimatum zu erfüllen und das Streben nach Unabhängigkeit zu beenden. Rechtliche Grundlage der Absetzungspläne ist Verfassungsartikel 155, der bisher in Spanien nie zur Anwendung gekommen war.

Absehbare Zuspitzung

Anti-separatists demonstrators gather in Barcelona against Catalan government and for the unity of Spain. Two days before that Catalan president Carles Puigdemont will appear to the Catalonian parliament to discuss on the results of the referendum th
Seit Wochen beherrschen Demonstrationen jedweder Couleur in Barcelona das Bild: Pro-Spanien, gegen Spanien, für Europa © Jordi Boixareu / ZUMA Press / Splash News, ZEUS

Der Konflikt spitzt sich schon seit Wochen zu. Barcelona setzte sich über ein Verbot der Justiz hinweg und organisierte am 1. Oktober ein Unabhängigkeitsreferendum. Dabei kam es zu einem massiven Polizeieinsatz gegen Wähler. Bei einer Beteiligung von 42,3 Prozent stimmten 90,1 Prozent für eine Loslösung von Spanien.