Kiel: Olympia-Trainer wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Olympia-Trainer vor Gericht
Über Monate soll ein Olympia-Trainier sich an einer minderjährigen Schülerin vergangen haben. Jetzt steht der Mann in Kiel vor Gericht. © Zentralbild, Z5328 Jens Wolf

Opfer tritt als Nebenklägerin auf

Er soll sich über Monate an einer minderjährigen Schwimmerin vergangen haben, jetzt muss er sich verantworten: Ab kommenden Dienstag steht in Kiel ein Trainer der deutschen Olympia-Mannschaft wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht. Sein Opfer tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf.

Oberstaatsanwalt Axel Bieler bestätigte einen entsprechenden Bericht der 'Neuen Osnabrücker Zeitung'. Die Anklage wirft dem Mann vor, sich von August 2004 bis März 2006 in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmerin vergangen zu haben. Kai Dupre, der Verteidiger des Trainers, wies die Vorwürfe der Anklage zurück.

Laut Anklage nutzte der Mann das besondere Betreuungsverhältnis als Trainer zu der jungen Sportlerin aus. Die Frau ist in dem Verfahren Nebenklägerin. Dagegen sagte Anwalt Dupre, dass im Prozess geklärt werden müsste, ob tatsächlich ein Betreuungsverhältnis bestanden habe. "Dies ist rechtlich nicht so eindeutig", sagte der Anwalt. Der Angeklagte hatte sich bis zum Zeitpunkt der Anklageerhebung nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte Oberstaatsanwalt Bieler.

Der Generalsekretär des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Jürgen Fornoff, reagierte konsterniert. Wären die Vorwürfe vor den Spielen in London bekannt gewesen, wäre der Mann nicht vom DSV mitgenommen oder nominiert worden. "Bis zum Beweis des Gegenteils gilt für uns weiterhin die Unschuldsvermutung", sagte Fornoff.

Staatsanwaltschaft: "Ausnutzung des Betreuungsverhältnisses"

Laut Anklage kam es 2004 auf Kreta bei einem gemeinsamen Urlaub zu einem ersten sexuellen Kontakt zwischen dem Trainer und der jungen Frau, wie die 'Neue Osnabrücker Zeitung' weiter berichtete. Der Urlaub habe mit Zustimmung der Eltern stattgefunden, sagte Bieler. Die Staatsanwaltschaft sei überzeugt, dass der sexuelle Kontakt zwar einvernehmlich stattfand, aber unter Ausnutzung des Betreuungsverhältnisses als Schwimmtrainer.

Nach Darstellung des Anwalts war die junge Schwimmerin zum Zeitpunkt des ersten sexuellen Kontaktes bereits über 16 Jahre alt gewesen. "Wenn das Gericht in der Beweisaufnahme zu dem Schluss käme, der sexuelle Kontakt war einvernehmlich und es habe kein besonderes Betreuungsverhältnis bestanden, dann bliebe mein Mandant straflos," sagte Dupre. Nach seinen Worten sei "Einiges noch ungereimt". Es müsse im Verfahren auch geklärt werden, warum erst 2009 eine Strafanzeige erstattet worden sei.

Das Schöffengericht kann bei einer Verurteilung eine Strafe von maximal vier Jahren verhängen. Bei einem höheren Strafantrag müsste der Fall vor dem Landgericht verhandelt werden. Für das Verfahren wurde ein Verhandlungstag anberaumt.