Kinderkrippe in Trudering: Erzieher führen Kind an Hundeleine aus

Erzieher führen Kind an Hundeleine aus
Erzieher führen Kind an Hundeleine aus Kita in Bayern 00:02:02
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Kind an Hundeleine: Eher fragwürdig

Seit je her sind manche Kinder betreuungsintensiver als andere. Ebenso lange gibt es Erklärungsversuche, warum das so ist, und mehr oder weniger pädagogische Ansätze, wie man dem beikommen kann. Eine ganz besondere Idee hatten da ausgerechnet die Erzieher einer Kinderkrippe in Trudering (Bayern). Bei einem Ausflug in den Bergtierpark Blindham bei Aying nahmen die Erziehungsverantwortlichen den kleinen Ben (2, Name geändert) an die Leine. Das berichtet die 'Süddeutsche Zeitung'.

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Die anderen Kinder durften sich frei bewegen

Während andere Kinder einen unbeschwerten Tag erlebten, wurde Ben wie an Tier an der Leine geführt oder sogar an einen Baum gebunden. Einige Fotos des Ausfluges stellte die Krippe dann später sogar im Intranet online. Damit dokumentierten die Erzieher ihr Pädagogik-Verständnis, für alle Eltern sichtbar, also auch für die von Ben.

Diese reagierten nach dem Vorfall Ende Juni umgehend und nahmen Ben aus der Krippe. Noch immer sind sie fassungslos über das Verhalten der Erzieher und der Verantwortlichen der Krippe, die laut Bens Eltern den Vorfall unter den Tisch kehren wollten. Und die Schuld und Ursache dafür, dass sie ein Kind wie ein Tier anleinten, ausschließlich bei dem kleinen Ben sehen.

Ben wollte einfach nicht hören - dann kam er an die Hundeleine

Die Leine habe eine Erzieherin zufällig dabei gehabt, das Utensil sei ausschließlich und "stets zur Sicherheit und im Interesse des Kindes" zum Einsatz gekommen. Denn Ben – offenbar eines der betreuungsintensiveren Kinder – habe schlicht nicht gehört, wenn man nach ihm rief. Und das sei den Eltern auch bekannt gewesen. Immerhin gibt der Krippen-Geschäftsführer zu: "Das war klar ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Da gibt es nichts zu beschönigen."

Man habe das aber intern geklärt, auch mit dem Elternbeirat, so der Geschäftsführer, man wolle aber "keine schlafenden Hund wecken". Allerdings ist eindeutig, dass das, was in dem Tierpark geschah, grob fahrlässig und vor allem menschenunwürdig. Fünf Betreuer waren mit 16 Kinder unterwegs – man kann hier nicht einmal eine mangelnde Betreuerzahl für das Verhalten verantwortlich machen, dass nur eines der 16 Kinder sich nicht frei bewegen durfte, und auch nicht beim Essen mit den anderen am Tisch sitzen durfte.

Über Konsequenzen ist nichts bekannt

Bei allen Schwierigkeiten, die Erzieher mit Kindern in einer Krippe haben – eine Leine ist ein ebenso unangemessenes Erziehungsinstrument wie ein Prügelstock. Ob ihr Fehlverhalten für die Erzieher Konsequenzen hatte, ist nicht bekannt. Der Geschäftsführer schweigt dazu.