Kindermörder von Arnschwang: Nicht abgeschoben, weil er zum Christentum konvertierte?

Nicht abgeschoben, weil er zum Christentum konvertierte?
Nicht abgeschoben, weil er zum Christentum konvertierte? Messerstecher von Arnschwang 00:01:10
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Der Mann aus Afghanistan war ein verurteilter Straftäter

Der 41-jährige Asylbewerber erstach in der Flüchtlingsunterkunft im bayerischen Arnschwang einen Fünfjährigen - offenbar weil er sich von spielenden Kindern gestört fühlte. Der Mann hätte nach Afghanistan abgeschoben werden sollen. Offenbar geschah das nur deshalb nicht, weil er zuvor zum Christentum konvertiert war. Dabei gab es Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. 

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Prüfung von zum Christentum konvertierten Asylbewerbern gefordert

Mostafa J. war im Oktober 2009 vom Landgericht München wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt worden, die er bis Januar 2015 komplett verbüßte. Per gerichtlichem Beschluss wurde ihm auferlegt, sich lediglich im Umfeld der ihm zugewiesenen Asylunterkunft aufzuhalten. Um dies zu kontrollieren, trug er die elektronische Fußfessel. Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz hätte er abgeschoben werden sollen. Doch er hatte sich rechtlich dagegen gewehrt, so dass 2014 ein Abschiebeverbot ausgesprochen worden war. Als konvertierter Christ drohe ihm Gefahr in Afghanistan, hatte er damals behauptet. 

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert nun eine genaue Prüfung von zum Christentum konvertierten Asylbewerbern. "Klar ist auch, dass wir sowohl von den Kirchen als auch vom Verwaltungsgericht erwarten, (...) dass sie sich sehr genau anschauen, ob einer wirklich zum Christentum übertritt - was ich hier im Einzelfall noch nicht beurteilen kann - oder ob es vorgeschoben sein könnte, nur um einer Abschiebung zu entgehen", so Herrmann.

"Dass muslimische Flüchtlinge in Deutschland zum Christentum konvertieren, halte ich für einen Trick, um im Land bleiben zu können", sagt Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. "Muslime dürfen den Glauben nicht wechseln. Da muss schon viel passieren, dass Muslime ihre Religion aufgeben. Wenn die Abschiebung des Täters daran gescheitert ist, dass er seinen Glauben gewechselt hat, dann muss man nur eins und eins zusammenzählen", so Küch weiter.

Kriminalbeamte: Täter von Arnschwang hätte nicht in das Heim gehört

Ein Polizist der Spurensicherung steht am 03.06.2017 auf dem Gelände einer Asylunterkunft nahe Arnschwang (Bayern). Bei einem dramatischen Zwischenfall in einem Asylbewerberheim hat es am Samstag zwei Tote gegeben. Ein 41 Jahre alter Mann aus Afghani
Am Samstagabend hatte der Mann den fünf Jahre alten Jungen in seine Gewalt gebracht und ihn mit Messerstichen tödlich verletzt. © dpa, Armin Weigel, awe htf

Nach dem tödlichen Angriff auf das Flüchtlingskind kritisiert der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), dass der Mann mit elektronischer Fußfessel in der Unterkunft wohnen durfte. "Wir (...) halten die Fußfessel in solchen Fällen und bei echten Gefährdern für ein reines Scheininstrument, das Sicherheit vielfach nur vorgaukelt", sagte BDK-Bundesvize Ulf Küch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Als erfahrener Kriminalbeamter muss ich sagen: Ich kann nicht nachvollziehen, dass dieser Fußfesselträger in einer Flüchtlingsunterkunft leben durfte", so Küch.

Das Motiv für die Messerattacke soll Ruhestörung gewesen sein. Dies habe die Mutter des Jungen ausgesagt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Frau war bei der Tat am Samstag schwer verletzt worden. Nach ihren Angaben habe sich der 41-jährige Afghane durch die spielenden Kinder in seiner Ruhe gestört gefühlt. Deshalb habe er in Arnschwang in der Oberpfalz zunächst die Mutter und dann den Jungen angegriffen.

Die 47-Jährige erlitt schwere Schnittverletzungen. Während des folgenden Polizeieinsatzes gab ein Beamter acht Schüsse auf den 41-Jährigen ab, der tödlich getroffen wurde. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Nothilfesituation der Beamten aus. Der sechs Jahre alte Bruder des getöteten Kindes sah die Szene mit an und erlitt einen schweren Schock. Bei der Frau und ihren beiden Kindern handelt es sich um Asylbewerber aus Russland.