Loveparade-Prozess beginnt: "Diesen Tag werde ich nie vergessen"

"Es muss doch irgendwo eine Gerechtigkeit da sein"
"Es muss doch irgendwo eine Gerechtigkeit da sein" Duisburger Loveparade-Prozess startet 00:03:25
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Wer trägt Schuld am Tod der 21 Menschen?

Es könnte einer der umfangreichsten Prozesse der Nachkriegszeit werden – am 8. Dezember startet in Duisburg der Prozess gegen sechs Mitarbeiter der Stadt und vier Mitarbeiter des Veranstalters 'Lopavent', die für die Planung und Durchführung der Loveparade im Juli 2010 verantwortlich waren. Tragen sie Schuld am Tod von 21 Besuchern, die am einzigen Zugang zum Festivalgelände in der Menschenmenge erdrückt wurden? Diese Frage soll im Strafprozess endlich geklärt werden.

Bis zum 27. Juli 2020 muss ein Urteil fallen

Die Erinnerungen an den 24. Juli 2010 sind bei den Opfern und Angehörigen immer noch lebendig. "Diesen Tag werde ich nie vergessen", erinnert sich auch der damalige Innenminister Ralf Jäger. Was er sonst noch über den Tag der Katastrophe erzählt, sehen Sie im Video.

Dem Gericht steht eine wahre Mammutaufgabe bevor. Es gibt unzählige Zeugenaussagen und Beweismittel, die ausgewertet werden müssen. Auch logistisch war der Prozess eine Herausforderung. Die zehn wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung Angeklagten werden von 30 Verteidigern vertreten. Neben der Anklage gibt es 60 Nebenkläger, die von 35 Anwälten vor Gericht repräsentiert werden. Außerdem haben sich unzählige Medienvertreter und Zuschauer angekündigt, die den Prozess verfolgen wollen.

Weil kein Gerichtssaal groß genug für diese Menschenanzahl ist, findet die Hauptverhandlung in einem Saal des Kongresszentrums Düsseldorf statt. Die Richter stehen zusätzlich noch unter massivem Zeitdruck. "Das letzte Opfer der Ereignisse bei der Loveparade verstarb am 28. Juli 2010, die absolute Verjährungsfrist läuft daher spätestens mit Ablauf des 27. Juli 2020 ab", erklärt die Staatsanwaltschaft Duisburg. Wenn bis zu diesem Datum kein Urteil gefallen ist, kann niemand mehr für die Loveparade-Katastrophe verantwortlich gemacht werden.

Opfer und Angehörige wünschen sich Gerechtigkeit

Und genau das möchten die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer auf gar keinen Fall. Sie wünschen sich nach über sieben Jahren endlich eine Erklärung dafür, was an dem Tag eigentlich schief gelaufen ist. "Der Prozess wird für die Hinterbliebenen sowie für die Verletzten und Betroffenen ebenso wie für die Prozessbeteiligten eine enorme seelische Belastung sein", sagt Jürgen Widera, Vorstand der Stiftung 'Duisburg 24.7.2010'. Für alle Prozesstage werden daher Notfallseelsorger und Psychologen bereitgestellt, die sich um die Betroffenen kümmern können.