Lufthansa übernimmt für 210 Mio. Euro große Teile der insolventen Air Berlin

Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin
Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin Der Vertrag steht 00:01:27
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Carsten Spohr: Lufthansa kauft Air Berlin

Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Beide Unternehmen unterzeichnen einen entsprechenden Kaufvertrag, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Berlin ankündigte. Der Kaufpreis soll bei etwa 210 Millionen Euro liegen. Spohr sprach von einem "großen Tag".

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Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb war seitdem nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.

Die Geschäftsführung der Air Berlin hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Nun ist besiegelt: Die Lufthansa übernimmt den Großteil der Air-Berlin-Flotte und zahlt dafür rund 210 Millionen Euro. Keine Einigung konnte dagegen bisher mit Easyjet erzielt werden.

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Lufthansa wird voraussichtlich 3.000 ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter übernehmen

Carsten Spohr hatte der 'Rheinischen Post' gesagt, Lufthansa werde von Air Berlin "voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3.000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren". Air Berlin hatte vorher mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er der Zeitung. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus." Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu."

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Solvente Töchter Niki und LG Walter sollen weitergeführt werden

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe.

Seit dem 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt. Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich". Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.

Lufthansa erwartet Übergang mit "Ruckeleien"

"Wir werden das irgendwie hinbekommen", sagte hingegen Spohr. Das werde aber nicht ohne "Ruckeleien" gehen. Man habe Piloten aus dem Urlaub zurück geholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrbundesamt aufwendig. Ein stabiler Betrieb sei in sechs bis neun Monaten zu erwarten.