Messerangriff in Ägypten: Täter von Hurghada handelte im Auftrag des IS

IS-Anschlag im ägyptischen Badeort Hurghada
IS-Anschlag im ägyptischen Badeort Hurghada Zwei Frauen aus Niedersachsen getötet 00:02:32
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Der Student machte gezielt Jagd auf ausländische Touristen

Bei der Messerattacke im ägyptischen Badeort Hurghada hat es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Kairo um einen IS-Terrorangriff gehandelt. Zwei Frauen, die aus Niedersachsen stammen, kamen ums Leben, vier weitere Urlauber wurden verletzt. Offenbar wollte der Angreifer noch mehr Menschen töten. Der Täter habe mit den Extremisten über das Internet in Kontakt gestanden und von ihnen den Auftrag erhalten, Ausländer anzugreifen. Es soll sich um einen 28 Jahre alten Uni-Absolventen aus dem Norden Ägyptens handeln. Offiziell hat sich noch niemand zu der Tat bekannt.

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"Dieser Typ ist rübergeschwommen und hat die zwei deutschen Frauen erstochen"

Workers and security detain the man who stabbed two German tourists to death and wounded four others during an attack of the Zahabia hotel resort in Hurghada, south of the capital Cairo, Egypt, July 14, 2017. REUTERS/Mohamed Aly     TPX IMAGES OF THE
In diesem Kofferwagen wird der bewusstlose Angreifen den Behörden übergeben. © REUTERS, STRINGER, AA/TC

Ein Manager des Hotels 'Zahabia' im Zentrum Hurghadas schildert, was sich zum Zeitpunkt des Angriffs abgespielt hat. Ein Mann schwimmt auf den Hotelstrand zu. Bei Temperaturen um die 40 Grad ist er zunächst nur einer von vielen im Wasser. Von einem Messer bemerkt lange niemand etwas. Bis er den Strand erreicht und plötzlich auf Menschen einsticht. Panik bricht aus. "Dieser Typ ist rübergeschwommen und hat die zwei deutschen Frauen erstochen", sagt der Manager, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will. Das Auswärtige Amt bestätigte, dass bei dem Angriff in dem beliebten Badeort zwei deutsche Frauen getötet wurden. 

Alice Matthiesen liegt im Nachbarhotel am Strand. Gegen Mittag hört sie Schreie, glaubt aber zunächst nicht, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte. Erst als Sirenen erklingen schaut sie zu dem anderen Hotel rüber. Es ist wahrscheinlich der Moment, als der Täter gerade fliehen will. Männer auf einem Schiff hätten plötzlich gebrüllt, erzählt sie dem Reporter der Nachrichtenagentur 'dpa'. "Der eine schlug mit einem weißen stockartigen Ding auf jemanden im Wasser ein". Sicherheitsleute und Hotelgäste überwältigen den Mann schließlich. "Die Leute haben ihn gejagt", sagt der 'Zahabia'-Manager.

Fotos im Internet zeigten, wie der außer Gefecht gesetzte Angreifer auf einem Karren liegend durch den Garten einer Hotelanlage gezogen wurde. Nach Angaben aus den Sicherheitskreisen war er am Freitagmorgen mit einem Bus nach Hurghada gekommen, wo er sich das Tatmesser kaufte. Er wollte dem Manager zufolge noch mehr Menschen erstechen.

Terror in Ägypten: Zweiter Angriff auf Sicherheitskräfte in Kairo

Polizisten inspizieren am 14.07.2017 in der Nähe von Kairo (Ägypten) einen Anschlagsort. Fünf Polizisten wurden bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt getötet. (zu dpa «Mehrere Tote bei Attacken in Ägypten - Urlauber am Strand erstochen» vom 14.07
Polizisten inspizieren am 14.07.2017 in der Nähe von Kairo einen Anschlagsort. Fünf Polizisten wurden bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt getötet. © dpa, Amr Sayed, zeus hel pat

Am gleichen Tag wurden in der Nähe von Kairo fünf Polizisten bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt getötet. Maskierte Angreifer hätten die Polizisten in der Provinz Gizeh in Al-Badraschein rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Kairo beschossen, hieß es aus Sicherheitskreisen. 

Ägypten hat ein echtes Problem mit Extremisten. Seit Dezember wurden bei mehreren Selbstmordanschlägen und Angriffen auf die christliche Minderheit im Land mehr als 100 Menschen getötet. Die Dschihadisten operieren im Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel - einem militärischen Sperrgebiet, in dem sich die ägyptische Armee immer wieder heftige Gefechte mit den Extremisten liefert. Erst vor wenigen Tagen starben bei einem Angriff mehr als 20 Soldaten.

Rückschlag für den Tourismus in Ägypten

Blick auf die Hotelanlagen in Hurghada, Ägypten, am 15.07.2017, an deren Strand (im Bild oben r und oben M) ein Attentäter am 14.07.2017 mehrere Urlauber mit dem Messer attackierte. Bei der Messerattacke im ägyptischen Urlaubsort Hurghada am Roten Me
In dieser Hotelanlage in Hurghada stach der Angreifer auf die Urlauber ein. © dpa, Christina Rizk, htf

Bereits im Januar 2016 hatte ein Mann in Hurghada bei einem Messer-Angriff drei Touristen verletzt. Der Ort ist mit seinen mehr als 250 Hotelanlagen neben Scharm el Scheich das größte ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Die Ferienregion ist auch bei Deutschen beliebt. Der Badeort ist vor allem für seine warmen Temperaturen und die faszinierende Unterwasserwelt bekannt, weshalb Hurghada als wichtigstes Ziel für Tauchurlauber am Roten Meer gilt. Für Ägyptens Tourismus bedeutet der Angriff ein weiterer Tiefpunkt.

Der ägyptische Staatliche Informationsdienst (SIS) hob auch hervor, dass die Gewalt gegen Touristen in Ägypten in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sei. Tatsächlich galten die Urlaubsgebiete am Roten Meer bis jetzt als weitgehend sicher. Was nichts daran änderte, dass nach dem Flugzeugabsturz 2015 Tausende Hotels leer standen, was der ohnehin kriselnden Wirtschaft des Landes empfindlich schadete. 

Das Attentat auf den russischen Ferienflieger war bisher das schwerste gegen Touristen in der Region. Alle 224 Menschen an Bord starben kurz nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich. Die schweren Anschläge beanspruchte dabei stets ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat für sich.