Messerattacke auf Touristen in Ägypten: Zwei Deutsche Frauen in Hurghada erstochen

IS-Anschlag im ägyptischen Badeort Hurghada
IS-Anschlag im ägyptischen Badeort Hurghada Zwei Frauen aus Niedersachsen getötet 00:02:32
00:00 | 00:02:32

"Dieser Typ ist rübergeschwommen und hat die zwei deutschen Frauen erstochen"

Ein Manager des Hotels Zahabia im Zentrum Hurghadas schildert, was sich zum Zeitpunkt des Angriffs abgespielt hat. Ein Mann schwimmt auf den Hotelstrand zu. Bei Temperaturen um die 40 Grad ist er zunächst nur einer von vielen im Wasser. Von einem Messer bemerkt lange niemand etwas. Bis er den Strand erreicht und plötzlich auf Menschen einsticht. Panik bricht aus. "Dieser Typ ist rübergeschwommen und hat die zwei deutschen Frauen erstochen", sagt der Manager, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will. Das Auswärtige Amt hat inzwischen bestätigt, dass bei dem Angriff in dem beliebten Badeort zwei deutsche Frauen getötet wurden. Vier weitere Menschen wurden bei der Bluttat verletzt. Bei dem Messerstecher soll es sich einem Mediebericht zufolge um einen ägyptischen Studenten handeln.

- Anzeige -

"Der eine schlug mit einem weißen stockartigen Ding auf jemanden im Wasser ein"

Alice Matthiesen liegt im Nachbarhotel am Strand. Gegen Mittag hört sie Schreie, glaubt aber zunächst nicht, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte. Erst als Sirenen erklingen schaut sie zu dem anderen Hotel rüber. Es ist wahrscheinlich der Moment, als der Täter gerade fliehen will. Männer auf einem Schiff hätten plötzlich gebrüllt, erzählt sie. "Der eine schlug mit einem weißen stockartigen Ding auf jemanden im Wasser ein". Sicherheitsleute und Hotelgäste überwältigen den Mann schließlich. "Die Leute haben ihn gejagt", sagt der 'Zahabia'-Manager.

Fotos im Internet zeigten, wie der außer Gefecht gesetzte Angreifer auf einem Karren liegend durch den Garten einer Hotelanlage gezogen wurde. Das Auswärtige Amt geht von einem gezielten Angriff auf Touristen aus und erklärte: "Nach allem, was wir wissen, sollte die Tat ausländische Touristen treffen - ein besonders hinterhältiger und verbrecherischer Akt, der uns traurig, bestürzt und wütend zurücklässt". Mit Blick auf die Opfer fügte die Sprecherin hinzu: "Unser tiefempfundenes Beileid gilt in diesen schweren Stunden ihren Familien und Freunden".

Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums war der Angreifer von einem öffentlich zugänglichen Küstenstreifen aus an den Hotelstrand geschwommen und dort mit dem Messer auf Touristengruppen losgegangen. Die ägyptische Nachrichtenseite 'Al-Masry Al-Youm' meldete unter Berufung auf den Manager des Hotels 'El Palacio', der Täter habe zunächst an einem benachbarten Hotelstrand Urlauber attackiert, bevor er sich zum Strand seiner Anlage weiterbewegte. 

Hurghada ist mit seinen mehr als 250 Hotelanlagen neben Scharm el Scheich das größte ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Die Ferienregion ist auch bei deutschen Urlaubern beliebt. Der Badeort ist vor allem für seine durchgängig warmen Temperaturen und die faszinierende Unterwasserwelt bekannt, weshalb Hurghada als wichtigstes Ziel für Tauchurlauber am Roten Meer gilt. 

Rätsel über das Motiv

Blick am 15.07.2017 auf den Strand, in Hurghada, Ägypten, an dem ein Attentäter am Freitag (14.07.2017) mehrere Urlauber mit dem Messer attackierte. Bei dem Angriff in dem Urlaubsort am Roten Meer sind zwei deutsche Frauen getötet worden. Foto: Chris
An diesem Strand im ägyptischen Hurghada griff der Mann Urlauber mit einem Messer an. © dpa, Christina Rizk, pil

Der Angreifer soll ein 27-jähriger ägyptischer Student sein, wie die ägyptische Zeitung 'Al-Masry al-Youm' berichtet. Demnach soll er keine Vorstrafen gehabt haben und aus dem Norden des Landes stammen. Was ihn zu der Tat bewegte, ist noch unklar. Während der Hotelmanager als Augenzeuge von einem geistig verwirrten Täter spricht, geht Peter-Jürgen Ely von einem Anschlag mit terroristischem Hintergrund aus. Der ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas glaubt nicht an eine Gewalttat aus persönlichen Motiven. "Warum sollte er die anderen Opfer dann ebenfalls mit dem Messer attackieren?" Zudem deuten unterschiedliche Angaben darauf hin, dass der Mann an zwei verschiedenen Strandabschnitten auf Urlauber losging.

Ely, der schon Jahrzehnte in dem Taucherparadies am Roten Meer lebt, erzählt, dass er beide Todesopfer kannte. Sie hätten dauerhaft in dem Ferienort gewohnt und seien immer mal wieder zu den Treffen der großen deutschen Gemeinde gekommen. Eine gemeinsame Bekannte habe die Opfer dann identifiziert.

Der ägyptische Staatliche Informationsdienst (SIS) betont in einer Stellungnahme am Tag der Tat, dass alles auf einen individuellen Angriff hindeute, bei dem der Attentäter nicht im Auftrag einer Organisation gehandelt habe. Dies soll dem naheliegenden Terrorverdacht entgegenwirken, denn Ägypten hat ein echtes Problem mit Extremisten.

Terror in Ägypten: Zweiter Angriff auf Sicherheitskräfte in Kairo

Polizisten inspizieren am 14.07.2017 in der Nähe von Kairo (Ägypten) einen Anschlagsort. Fünf Polizisten wurden bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt getötet. (zu dpa «Mehrere Tote bei Attacken in Ägypten - Urlauber am Strand erstochen» vom 14.07
Polizisten inspizieren am 14.07.2017 in der Nähe von Kairo einen Anschlagsort. Fünf Polizisten wurden bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt getötet. © dpa, Amr Sayed, zeus hel pat

Am gleichen Tag wurden in der Nähe von Kairo fünf Polizisten bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt getötet. Maskierte Angreifer hätten die Polizisten in der Provinz Gizeh in Al-Badraschein rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Kairo beschossen, hieß es aus Sicherheitskreisen. 

Seit Dezember wurden bei mehreren Selbstmordanschlägen und Angriffen auf die christliche Minderheit im Land mehr als 100 Menschen getötet. Die Dschihadisten operieren im Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel - einem militärischen Sperrgebiet, in dem sich die ägyptische Armee immer wieder heftige Gefechte mit den Extremisten liefert. Erst vor wenigen Tagen starben bei einem Angriff mehr als 20 Soldaten.

Der Staatliche Informationsdienst hebt auch hervor, dass die Gewalt gegen Touristen in Ägypten in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sei. Tatsächlich galten die Urlaubsgebiete am Roten Meer bis jetzt als weitgehend sicher. Was nichts daran änderte, dass nach dem Flugzeugabsturz 2015 Tausende Hotels leer standen, was der ohnehin kriselnden Wirtschaft des Landes empfindlich schadete.

Das Attentat auf den russischen Ferienflieger war bisher das schwerste gegen Touristen in der Region. Alle 224 Menschen an Bord starben kurz nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich. Die schweren Anschläge beanspruchte dabei stets ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat für sich.