'Mieterführerschein' für Flüchtlinge: So werden Sie ein guter deutscher Mieter

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Hier lernen Flüchtlinge, was ein "guter deutscher Mieter" so wissen muss. (Bild: Symbolbild) © dpa, Fredrik von Erichsen, fve kno rho dna sja jol

Für ein besseres Miteinander

Sie kommen aus Syrien, aus Afghanistan, aus dem Irak. Bis vor kurzem lebten sie zusammengepfercht in Sammelunterkünften. Jetzt sollen sie lernen, wie das Wohnen in Deutschland funktioniert. Dazu bietet die norddeutsche Stadt Rendsburg einen "Mieterführerschein für Flüchtlinge" an.

Vermieter meiden Flüchtlinge oft

Offenbar hatten die Männer Hunger. Auf jeden Fall versuchten sie, in einem Topf mit heißem Öl Pommes zu machen. Doch leider vergaßen sie das Essen auf dem Herd. Als sie später versuchten, mit Wasser zu löschen, kam es zu einer Verpuffung. Wie durch ein Wunder wurde zwar niemand verletzt, aber die Küche musste komplett renoviert werden.

Geschichten wie diese seien es, die immer öfter dafür sorgten, dass Vermieter ihre Wohnungen nicht mehr an Flüchtlinge vermieten, sagt Uwe Jensen von der Stadt Rendsburg im Gespräch mit RTL NEXT. "Einige Vermieter haben schlechte Erfahrungen gemacht und wollen dann nicht mehr an Flüchtlinge vermieten."

Kurs will Vorurteile abbauen

Schimmel in Zimmerdecke
Wer nicht richtig lüftet, riskiert schnell Schimmel an der Wand. Deshalb steht auch fachgerechtes Stoßlüften auf dem Kursplan. © DPA

Dabei fehle es vielen Flüchtlingen einfach am nötigen Grundlagenwissen. Vor allem Menschen, die bis zu ihrer Flucht in ländlicher Regionen gelebt hätten, wüssten selbst mit einfachsten technischen Hilfsmitteln nichts anzufangen oder bedienten diese falsch. Die Folge: verstopfte Abflüsse, überflutete Wohnungen oder eben ein Küchenbrand.

Damit so etwas nicht mehr so oft passiert, bietet die Stadt Rendsburg nun den "Mieterführerschein" an. Die Teilnahme am Kurs ist freiwillig. Er soll helfen, bei Vermietern Vorurteile abzubauen und so die Bereitschaft erhöhen, Wohnungen an Zuwanderer zu vermieten. "Tatsächlich ist der Bedarf für den Kurs groß", sagt Jensen. Und er sei ein Erfolgsmodell. "Wir haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht." Zuspruch komme beispielsweise auch vom Eigentümerverband 'Haus & Grund'. 

Fachgerechtes Stoßlüften und korrekte Mülltrennung

ARCHIV - Eine Frau legt eine Tüte mit Restmüll in eine Mülltonne
Was gehört in welche Tonne? Auch das lernen die Kursteilnehmer. © dpa, Bernd Weißbrod

Auf dem Lehrplan stehen die Tugenden deutscher Vorzeigemieter: die Hausordnung, fachgerechtes Stoßlüften, den korrekten Umgang mit Küchengeräten und natürlich die Mülltrennung, berichtet das ARD-Magazin 'Panorama'. "In Zukunft könnten wir uns auch vorstellen, Grundlagen im Vertragsrecht zu vermitteln", sagt Jensen. Nach Ende des Kurses gibt es dann sogar ein offizielles Zertifikat, überreicht vom Bürgermeister. Das könnten die Flüchtlinge dann dem Vermieter vorlegen und so ihre Chancen auf dem Wohnungsmarkt erhöhen, so Jensen.

Die Stadt Rendsburg jedenfalls ist von ihrem Konzept überzeugt und bietet es anderen Städten und Gemeinden zur Übernahme an.