Migranten in Deutschland: Diskriminierung allein wegen des Namens

"Das ist kein gutes Zeugnis für unser Land"

Deutschland - ein Einwanderungsland. Lange wollten das viele nicht wahrhaben, sagt die Migrationsbeauftragte des Bundes, Aydan Özoguz, bei der Vorstellung eines neuen großen Migrationsberichts. Auch deshalb müssen Menschen mit ausländischen Wurzeln mit vielen Problemen kämpfen.

Migranten in Deutschland: Diskriminierung allein wegen des Namens.
Unternehmen in Deutschland weisen etwa Türkischstämmige angeblich noch oft wegen ihres fremd klingenden Namens ab. © dpa, Ole Spata

Unternehmen in Deutschland weisen etwa Türkischstämmige angeblich noch oft wegen ihres fremd klingenden Namens ab. "Das ist kein gutes Zeugnis für unser Land", sagte Özoguz. Insgesamt sei das Land auf dem Weg zur Einwanderungsgesellschaft nach Jahren der Ignoranz vorangekommen - für mehr Chancengleichheit bleibe aber viel zu tun.

Die Fakten im Überblick:

BEVÖLKERUNG: Der Anteil der Menschen mit ausländischen Wurzeln nimmt zu. Jeder Fünfte hatte zuletzt einen Migrationshintergrund - 16,3 Millionen Menschen. 2005 waren es 1,3 Millionen weniger. Die größten Gruppen sind Menschen türkischer Herkunft (18,3 Prozent) und polnischer Herkunft (9,4 Prozent). Mehr als die Hälfte der Migranten hat die deutsche Staatsangehörigkeit - 8,9 Millionen Menschen.

30,5 Prozent der ausländischen jungen Menschen ohne Berufsausbildung

SCHULE: Die soziale Herkunft ist laut dem Bericht oft Ursache für Bildungserfolg oder -misserfolg. Von den Abgängern im Jahr 2012 blieben 11,4 Prozent der ausländischen Schüler an den allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss - im Vergleich zu 4,9 Prozent der deutschen Schüler.

AUSBILDUNG: Als alarmierend wertete Özoguz, dass 30,5 Prozent der ausländischen jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsausbildung bleiben - drei Mal so viele wie junge Erwachsene mit deutscher Staatsangehörigkeit (10,9 Prozent). Der nächste Integrationsgipfel im Kanzleramt soll sich daher dem Thema Ausbildung widmen.

EINBÜRGERUNG: Die Einbürgerungen stiegen von 101.570 im Jahr 2010 auf 112.353 im Jahr 2013. In einzelnen Ländern und Kommunen gebe es erfolgreiche Einbürgerungskampagnen. Die Einbürgerungsquote reicht von 1,16 bis 1,42 Prozent in den neuen Ländern, wo es über Jahrzehnte weniger Migranten gab. In den alten Ländern reicht sie von 1,12 Prozent in Bayern bis 3,13 Prozent in Hamburg.

FLÜCHTLINGE: Schwerste Menschenrechtskrisen zwingen immer mehr Menschen zur Flucht - 2012 wurden 77.651 Asylanträge gestellt, für 2014 werden rund 200.000 erwartet. Özoguz sagte, die Gesellschaft habe sich in den vergangenen zehn Jahren weiterentwickelt. Steigende Hilfsbereitschaft bei vielen drücke sich etwa in Besuchen und Engagement in Flüchtlingsheimen aus.

FREMDENFEINDLICHKEIT: Fremdenfeindliche Straftaten nehmen nach einem Rückgang seit 2011 wieder zu, 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf 3248. Zu 97 Prozent wurden sie von rechten Straftätern begangen. Insgesamt nimmt Ausgrenzung und Diskriminierung in vielen Facetten einen breiten Raum des Berichts ein.