Mutter beschwert sich über Märchenbuch: Wurde Dornröschen sexuell belästigt?

Mutter aus England beschwert sich über Märchenbuch
Mutter aus England beschwert sich über Märchenbuch Wurde Dornröschen etwa sexuell belästigt? 00:00:31
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Kuss ohne Einwilligung der Prinzessin

Das Märchen von Dornröschen ist weltberühmt. In England gibt es jetzt aber Aufregung um die Erzählung der Gebrüder Grimm: Eine Mutter fordert, das Märchen aus Schulbüchern zu entfernen, weil es Kindern angeblich ein falsches Bild vermittelt, wie man sich korrekt gegenüber Frauen verhält. Auch eine Schweizer Pädagogin gibt der Mutter nun recht.
Unser Redakteur Lars Vollmering teilt die Meinung der beiden Frauen nicht, sehen Sie seinen Kommentar im Video.

Moralisch verwerflicher Lesestoff?

Für Sarah Hall aus Northumberland Park im Nodosten der Insel lauert die Gefahr für ihren sechsjährigen Sohn in einem Schulbuch: Dort ist in einer Abwandlung des Grimm’schen Märchens Dornröschen zu sehen, wie ein Prinz eine schlafende Prinzessin küsst. Doch daran entzündet sich der mütterliche Zorn, denn dem Kuss sei keine Einverständniserklärung der Frau vorausgegangen. Oder anders gesagt: Der Prinz hätte die Prinzessin fragen müssen, ob ein Kuss okay ist.

Gefahr für die kindliche Entwicklung befürchtet

Kritisiert wird, dass durch die Darstellung im Schulbuch vermittelt wird: hilflose Frauen zu küssen, ist völlig in Ordnung. Dadurch werde nicht zuletzt zum negativen Verhalten von Jungs und Männern gegenüber Frauen beigetragen.

Sind Märchen wie Dornröschen eine Gefahr in der Kindeserziehung?

"Diese tief verwurzelten Einstellungen des sexuellen Verhaltens werden sich nie ändern", so die besorgte Mutter auf Twitter, "wenn wir immer Erzählungen wie diese sehen". Entsprechend sollte die Geschichte aus dem Schulbuch gestrichen werden.

Prinz hätte Dornröschen nicht küssen dürfen
Prinz hätte Dornröschen nicht küssen dürfen Mutter beschwert sich: 00:02:18
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Pädagogin gibt englischer Mutter recht

Nicht nur Sarah Hall sieht alte Märchen kritisch, auch die Pädagogin Elisabeth Müller aus der Schweiz ist ihrer Meinung. Sie prangert vor allem das Ungleichgewicht von Männern und Frauen an: "Mädchen finden keine Bilder für Selbstbestimmung, die akzeptiert sind - die Jungs finden da jede Menge." Ihr Tipp: "Ich denke, wenn die Kinder die Märchen haben, muss man sich hinsetzen und das kritisch angucken und fragen: Wo ist das okay, wo nicht. Dass er wirbt und sich bemüht, ist ja okay - dass er ihr Okay nicht holt, ist nicht gut."