Mutter tritt in Hungerstreik für schwerstbehinderten Sohn – Streit um Schmerzensgeld

1,8 Millionen sind ihr nicht genug

Daniel Bernert ist seit seiner Geburt schwerbehindert, er kann nicht für seine Rechte kämpfen, sich nicht bemerkbar machen. Sein Mutter Claudia umso mehr. Sie ist im Hungerstreik, will täglich vor dem Gebäude der Allianz-Versicherung in München protestieren. Es geht ihr um Schmerzensgeld und um die Anerkennung von Behandlungsfehlern, "vor allem geht es um Gerechtigkeit", sagt sie. Seit knapp 30 Jahren kämpft Claudia Bernert aus dem bayrischen Immendorf für ihren Sohn, jetzt greift sie zu drastischen Mitteln.

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Claudia Bernert tritt in Hungerstreik
Claudia Bernert tritt in Hungerstreik für ihren behinderten Sohn Daniel. © dpa, Sven Hoppe

Sohn Daniel sitzt im Rollstuhl, er kann nur mühsam sprechen, ist komplett auf Hilfe und Pflege angewiesen. Ein Fehler bei der Entbindung, verursacht durch den Arzt und die Hebamme, sagt seine Mutter. Daniel habe bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen und dadurch Hirnschäden erlitten. Claudia Bernert verklagt Arzt und Hebamme auf Schmerzensgeld und Übernahme der Pflegekosten. Beide sind bei der Allianz versichert, die Versicherung hält jedes Mal dagegen, der Fall geht durch alle Instanzen. Das Landgericht Kempten spricht ihr den vollen Schadenersatz von gut einer Million Euro und monatlichen 3.325 Euro Rente zu.

Rückschlag in der letzten Instanz

Doch im Mai 2014 kommt der Rückschlag. Die Klage liegt mittlerweile beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Das BGH entscheidet, dass ein großer Teil der Behinderung nicht an einem Behandlungsfehler bei der Geburt liege, sondern dass Daniel schon vor der Behinderung Hirnblutungen gehabt habe. Daher liege nur eine Teilschuld des Arztes vor. Die Richter stützen sich bei ihrem Urteilsspruch auf ein Gutachten der Versicherung. Die finanzielle Unterstützung wird mit dem Urteil deutlich gekürzt.

Claudia Bernert will sich damit nicht abfinden. Mit ihrem Hungerstreik vor dem Versicherungsgebäude will sie ein Zeichen setzte, sich Gehör verschaffen, Aufmerksamkeit erregen. Die Allianz zeigt sogar ein wenig Verständnis für ihre Aktion. "Das Schicksal Daniel Bernerts geht mir als Familienvater nahe", sagt Allianz-Chef Alexander Vollert. "Umso mehr bedauere ich, dass Familie Bernert nicht auf unsere mehrfach ausgesprochenen Vergleichsangebote eingegangen ist." Das Angebot der Versicherung beträgt rund 1,8 Millionen Euro und ist höher, als die gerichtlich festgestellten Zahlungen.

Doch Claudia Bernert sagt, dass die Summe die 24-Stunden-Pflege nicht abdecken würde. Ihr Sohn werde nie selbstständig für sich sorgen können, sagt die Mutter. Sie möchte ihn durch eine Rente und das Schmerzensgeld auch in Zukunft finanziell abgesichert sehen. Deshalb riskiert sie mit dem Hungerstreik ihre Gesundheit, um das Leben ihres Sohnes ein Stückchen besser zu machen.