Nach Auswertung der Überwachungsbilder: Neue Spur nach Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof

Taschenübergabe im Fastfoodrestaurant

Nach dem Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof verfolgen die Behörden eine neue Spur: Wie der 'General-Anzeiger Bonn' aus Sicherheitskreisen in Berlin erfuhr, soll die Tasche mit dem Sprengsatz zuvor ein Mann weißer Hautfarbe beim Besuch eines McDonalds am Hauptbahnhof bei sich gehabt haben. Dies habe die Auswertung von Aufzeichnungen einer Überwachungskamera in dem Fastfoodrestaurant ergeben, erfuhr der General-Anzeiger. Die Tasche sei von dem Mann weißer Hautfarbe bei McDonalds an einen Mann schwarzer Hautfarbe übergeben worden, hieß es.

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Mit diesem Phantombild sucht die einen den Mann, der eine möglicherweise für einen Sprengstoffanschlag präparierte Tasche auf einem Bahnsteig im Bonner Hauptbahnhof abgelegt haben soll. © Reuters, HANDOUT

Die Überwachungskameras am Bonner Hauptbahnhof selbst, so heißt es aus den Sicherheitskreisen weiter, könnten zwar "sehen", aber "nicht aufzeichnen". Deswegen hätten Fahnder in Lokalen am Hauptbahnhof deren Überwachungskameras ausgewertet und seien so auf die neue Spur gekommen.

Nach dem Mann schwarzer Hautfarbe sucht die Polizei bereits mit einem Phantombild. Er wurde von einem 14 Jahre alten Schüler beschrieben. Zwei Verdächtige, die gestern festgenommen worden waren, kamen schnell wieder frei. Ein erster Tatverdacht habe sich nicht erhärtet, berichtete die Kölner Polizei. Beide Männer sind Sicherheitskreisen zufolge der islamistischen Szene zuzuordnen.

Polizei: Bombe sollte offensichtlich in Zug detonieren

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft war der Sprengstoff höchst gefährlich. In der Sporttasche habe sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr befunden, sagte der für Terrorismus zuständige Bundesanwalt Rainer Griesbaum. Um das Rohr seien vier Butangaskartuschen befestigt gewesen, und es habe eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gegeben.

Ein Zünder sei jedoch nicht gefunden worden. Zwar sei eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber noch kein Zünder, sagte Griesbaum. Für eine Explosion sei jedoch eine Initialzündung erforderlich. Es könnte sein, dass ein Zünder bei der Entschärfung zerstört oder weggeschleudert wurde. Die kriminaltechnische Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen. Griesbaum ergänzte, der Tathintergrund sei noch unklar. Es könne sich um politisch motivierte oder allgemeine Kriminalität handeln. "Mit einem Wort: Alles ist offen."

Wenn die Bombe tatsächlich detoniert wäre, hätte sie eine ähnlich verheerende Wirkung gehabt wie der Anschlag von Madrid 2004, schreibt faz.net unter Berufung auf hohe Behördenkreise. Damals starben 191 Menschen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Taschenbombe eigentlich nicht im Bonner Hauptbahnhof, sondern vermutlich in einem Zug oder an einem anderen belebten Ort hätte deponiert werden sollen.

Ob der Vorfall auf Gleis 1 des Bonner Bahnhofs tatsächlich ein versuchter Terroranschlag war, ist weiter offen. Die Bundesanwaltschaft hat sich bislang offensichtlich nicht in den Fall eingeschaltet. Beim Verdacht auf terroristische Gewalttaten könnte sie die Ermittlungen übernehmen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete den Bombenalarm als ein "neues Alarmzeichen, das wir jederzeit mit Anschlägen auch aus dem islamistischen Bereich rechnen müssen. Wir wissen von einer Reihe hochgefährlicher und gewaltbereiter Leute, deren Aufenthalt immer wieder zwischen Deutschland und arabischen Ländern wechselt", sagte er der 'Passauer Neuen Presse'. Man versuche, diese Leute zu beobachten, "aber ein Restrisiko bleibt". Angst, jetzt zum Beispiel auf Weihnachtsmärkte zu gehen, müsse aber niemand haben, so Herrmann.