Nordkorea startet Langstreckenrakete

EU und UN beraten über neue Sanktionen - "hochprovokativer Akt"

Es ist eigentlich ein schlechter Witz, dass ein derart armes Land wie Nordkorea dazu in der Lage ist, eine Interkontinentalrakete ins All zu schießen, die Atomsprengköpfe bis in die USA bringen kann. Und das alles, während die Bevölkerung hungert und in eiskalten Behausungen vor sich hinvegetiert.

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Erneut schießt Nordkorea eine Rakete ins All. Was als Satellitenstart angekündigt ist, wird international als verdeckter Test einer Interkontinentalrakete gesehen. © dpa, Yonhap

Doch dem neuen Machthaber Kim Jong Un ist das egal, er setzt auf militärische Stärke und konfrontation. Mit dem jetzigen Raketenabschuss hat Nordkorea wiederholt die internationale Staatengemeinschaft herausgefordert. Trotz aller Warnungen startete das kommunistische Land zum zweiten Mal in diesem Jahr eine mehrstufige Unha-3-Rakete.

Nordkorea erklärte, der Start sei erfolgreich gewesen, ein Satellit habe wie geplant die angepeilte Erdumlaufbahn erreicht. Die USA, Südkorea und Japan verurteilten den Start und attestierten ihn ebenfalls als Erfolg. Die drei Länder beantragten eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Die USA und die Vereinten Nationen verurteilten den Start scharf als "hochprovokativen Akt", der gegen UN-Resolutionen verstoße.

Während Nordkorea erneut von einem Satellitenstart sprach, sehen die USA, Südkorea, Japan und andere Staaten darin den verschleierten Test einer Interkontinentalrakete. Solche ballistische Raketen können einen atomaren Sprengkopf tragen.

Das Auswärtige Amt ließ die diplomatischen Muskeln spielen. Das Auswärtige Amt bestellte den nordkoreanischen Botschafter ein. Dem Diplomaten sei die Haltung der Bundesregierung zu dem völkerrechtswidrigen Raketenstart "unmissverständlich" klar gemacht worden, teilte das Auswärtige Amt. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bedauerte den Raketen-Start: "Es ist umso betrüblicher, da dieser dem einhelligen und starken Ruf der internationalen Gemeinschaft widerspreche", ließ er durch einen Sprecher mitteilen.

Russlands Kritik schon etwas zurückhaltender

Auch die Europäische Union prüft neue Sanktionen gegen das bettelarme Land, das den größten Teil des zur Verfügung stehenden Geldes in den Militärapparat steckt. "Die EU wird mit ihren wichtigen Partnern und im Einklang mit Beratungen des UN Sicherheitsrates angemessene Antworten prüfen, einschließlich möglicher Sanktionen", heißt es in einer Erklärung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Der Raketenstart sei ein klarer Verstoß gegen internationales Recht. Die EU hat bereits Einreiseverbote gegen Führungsmitglieder des nordkoreanischen Regimes sowie eine Reihe von Ausfuhrbeschränkungen erlassen - unter anderem für alles, was zum Bau von Raketen dienen könnte.

Nach Angaben aus Südkorea hob der Flugkörper in der Nacht ab und flog über die japanische Insel Okinawa. Die Regierung in Tokio protestierte umgehend. Japan und Südkorea beriefen Dringlichkeitssitzungen ihrer Sicherheitskabinette ein.

Nach Meinung von Beobachtern will Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong Un mit dem Start Stärke demonstrieren. Im April hatte das Regime mit dem Start einer Unha-3-Rakete noch ein Fiasko erlebt. Die Rakete war kurz nach dem Start explodiert. Der UN-Sicherheitsrat hatte den Start aufs Schärfste verurteilt.

Der verarmte Norden strebt die Wiederaufnahme von Hilfslieferungen aus den USA an und möchte diplomatisch anerkannt werden, steht aber weitgehend isoliert da.

Russland äußerte ebenfalls Kritik, äußerte sich allerdings zurückhaltender. Man bedauere den Raketenstart zutiefst, erklärte das Außenministerium in Moskau. Ähnlich äußerte sich Nordkoreas Verbündeter China. Die Volksrepublik rief die Regierung in Pjöngjang dazu auf, UN-Resolutionen zu befolgen. Die Anwort des Sicherheitsrats sollte aber vorsichtig und moderat sein, teilte das chinesische Außenministerium mit.