Pendler-Rekord: Immer mehr Deutsche nehmen lange Strecken zur Arbeit in Kauf

ARCHIV - Hunderte Fahrgäste strömen am 23.04.2015 nach der fast zeitgleichen Ankunft zweier Regionalbahnen in Richtung des Ausgangs vom Hauptbahnhof in Frankfurt am Main (Hessen).  Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland pendeln zu ihrem Arbeitsplatz.
Pendler am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main. © dpa, Christoph Schmidt, cdt fdt rho cul

Fast 60 Prozent pendeln zur Arbeit

Deutschland ist eine Pendlernation. Fast 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer pendeln jeden Tag zur Arbeit und zurück. Und das bringt große Stressfaktoren mit sich. Politiker fordern jetzt Gegenmaßnahmen.

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Viele Berufstätige ziehen ins Umland

Insgesamt pendeln in Deutschland laut einer aktuellen Statistik des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung 18,4 Millionen Arbeitnehmer. Grund dafür sind vor allem steigende Mieten und Immobilienpreise in den Städten, wodurch viele ins Umland ziehen und so längere Wege zur Arbeit in Kauf nehmen. Auch der rasante Anstieg der Beschäftigungszahlen spielt eine Rolle. Die meisten Pendler leben derzeit in Bayern.

Immer noch Unterschiede zwischen Ost und West

Die Statistik zeigt zudem die immer noch bestehende Kluft zwischen Ost und West auf. Letztes Jahr fuhren über 400.000 Ostdeutsche in den Westen, um dort zu arbeiten. Ein Indiz für die Flucht vor Niedriglöhnen und Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern. Und so pendeln nicht nur viele Arbeitnehmer vom Umland in die Stadt, sondern auch zwischen den Bundesländern.

Hohes Stressrisiko für Pendler

Und das hat nicht nur Folgen für die Umwelt, auch die Arbeitnehmer selbst leiden unter dem täglichen Pendeln. Denn dieser kann Stress verursachen, der sogar gesundheitsgefährdend sein kann, warnt das Bundesinstitut für Bevölkerungswachstum. Neben Müdigkeit, Rücken-, Nacken- oder Gelenkschmerzen, kann der stressige Arbeitsweg sogar zu Burnout führen. Daher forderte Barbara Hendricks (SPD) bereits Anfang des Jahres eine bessere Verbindung zwischen Stadt und Land. Laut Statistik verbrachten Berufstätige im vergangenen Jahr täglich fast 35 Kilometer in Auto oder Bahn. Die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann richtet ihren Appell an die Arbeitgeber. Sie seien gefordert, "Arbeitszeitmodelle zu finden, die den Beschäftigten Flexibilität einräumen und dem Pendelstress entgegen wirken."

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Pendeln: Wie uns der Weg zur Arbeit belastet So kann man den täglichen Stress reduzieren 00:11:59
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Ab wann ist man Pendler?

Laut Wirtschaftslexikon bezeichnet man Berufstätige, deren Arbeitsstätte sich außerhalb der Wohngemeinde befindet, als Pendler. Generell gilt: Auf die richtige Einstellung kommt es an. Man sollte also nicht schon schlecht gelaunt in sein Auto oder in die Bahn steigen, sondern die Zeit für sich selbst nutzen und es sich so angenehm wie möglich machen. Im Auto kann man sich beispielsweise seine Lieblingsmusik anmachen, im Zug lässt es sich mit einem Frühstück, Kaffee und einer Zeitung auch ganz gut aushalten.

Zug ist entspannter als Auto

Um das Stresslevel möglichst gering zu halten, raten Experten eher zum Bahnfahren. Dort könne man besser abschalten als im Auto und sich zurücklehnen, anstatt konzentriert auf die Straße zu achten. Schon bevor man in den Zug steige, sei man bedeutend entspannter, als wenn man mit dem Auto nach Hause fahren müsste, erklärt Kardiologe Bernhard Rappert. Denn das Gefühl, sich nur hinsetzen zu müssen und nach Hause gefahren zu werden, halte den Stress relativ gering. Ferner raten Experten dazu, nicht ständig auf die Uhr zu schauen, um sich zusätzlich unter Zeitdruck zu setzen.