Prozess um Amoklauf in Kanzleien: Yanqing T. hinterließ Spur des Hasses mit drei Toten

"Angeklagter macht einen sehr nervösen Eindruck"

Scharfschützen postierten sich auf Dächern, dunkle Limousinen rasten mit Blaulicht durch Düsseldorf. Spezialeinheiten durchkämmten Wohnblöcke und Gewerbegebiete, stießen auf brennende Büros und entstellte Leichen. Rund 600 Polizisten waren am 28. Februar in Düsseldorf und Umgebung im Einsatz, um Amokläufer Yanqing T. zu stoppen. Der 48-Jährige suchte aus Rache und Wut über einen verlorenen Prozess wegen Körperverletzung zwei Anwaltskanzleien, deren Anwälte ihn zuvor vertreten hatten, heim. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm dreifachen Mord sowie drei Mordversuche vor. Heute begann der Prozess gegen den Angeklagten.

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Prozess um Amoklauf in Anwaltskanzleien in Düsseldorf.
Der 48-jährige Yanqing T. verdeckte sein Gesicht im Gerichtssaal mit einem Aktenordner. © dpa, Matthias Balk

"Als der Staatsanwalt die Anklageschrift verließt, macht der Angeklagte einen sehr nervösen Eindruck", berichtet RTL-Reporter Michael Statz. "Er rutscht auf seinem Stuhl immer wieder hin und her und sucht Augenkontakt zum Publikum, als würde er auch irgendeine Reaktion warten." Der Vorsitzende Richter Rainer Drees hat bereits mitgeteilt, dass Yanqing T. im Fall einer Verurteilung auch mit anschließender Sicherungsverwahrung rechnen muss.

Wut über verlorenen Prozess Auslöser für Amoklauf

Der zunächst unbekannte Amokläufer ersticht und erschießt Menschen, die er in den Anwaltskanzleien antrifft. Anschließend vergießt er Benzin und setzt die Büros in Brand. Die Polizei löst Großalarm aus, sämtliche Spezialeinheiten der NRW-Polizei eilen in die Landeshauptstadt, werden zum Teil von Hubschraubern abgesetzt. Die Ermittler suchen fieberhaft nach einem Zusammenhang der eingehenden Schreckensmeldungen und kommen schließlich auf Yanqing T. als Verdächtigen.

Doch der ist verschwunden. Seine Wohnung wird gestürmt, der Kindergarten seines Kindes evakuiert und observiert. Die Bevölkerung ist beunruhigt, ständig gehen falsche Hinweise auf den mutmaßlichen Killer ein, die aufwendig überprüft werden müssen und neue Einsätze auslösen. In Erkrath bei Düsseldorf rettet ein Passant einen im Rollstuhl sitzenden und durch einen Bauchschuss lebensgefährlich verletzten Anwalt aus der brennenden Kanzlei. Doch der mutmaßliche Dreifachmörder ist der Anklage zufolge zu dieser Zeit bereits unterwegs ins 80 Kilometer entfernte Goch am Niederrhein, um in einer Pizzeria seinen Rachefeldzug zu vollenden.

Dort sucht er seine Ex-Chefin, die er geohrfeigt haben soll - es war der Anlass für den verlorenen Rechtsstreit. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er auch sie umbringen wollte. Doch als die Töchter der Chefin angegriffen werden, bemerkt dies ein couragierter 22-jähriger Passant vor der Pizzeria. Er stürmt hinein, überwältigt den Angreifer mit Hilfe der Frauen und übergibt ihn der Polizei. Bei dem Angreifer, der später als Yanqing T. identifiziert wird, werden Schusswaffen und mehrere Messer sichergestellt. Gegenüber der Polizei soll er die Taten gestanden haben.

Mutige Retter hätten eine doppelt so hohe Zahl Todesopfer verhindert, betont die Polizei später. Zudem soll die Pistole des Amokläufers mehrfach durch Ladehemmungen blockiert gewesen sein. Ein Psychiater untersucht den angeklagten Familienvater, doch bislang gebe es keine Hinweise für eine verminderte Schuldfähigkeit. Das Landgericht hat bis Ende Oktober 17 Verhandlungstage für den Mordprozess angesetzt.