Rätselraten um verschollenes Flugzeug: Unglück oder Anschlag?

Mysteriöses Verschwinden wirft Fragen auf

Nach dem mysteriösen Verschwinden eines malaysischen Verkehrsflugzeugs suchen internationale Ermittler fieberhaft nach Hinweisen zur Aufklärung. Dutzende Schiffe und Flugzeuge durchkämmten den zweiten Tag in Folge das Südchinesische Meer, Behörden prüfen die Möglichkeit eines Terroranschlags. Radarhinweise deuten darauf hin, dass das Flugzeug mit 239 Menschen kurz vor dem Verschwinden am Samstag umdrehte, wie Ermittler in Kuala Lumpur berichteten. Indes ersucht Malaysia internationale Hilfe, um die Identität von zwei Fluggästen zu klären, die mit gestohlenen Pässen an Bord waren. Interpol kritisiert derweil die Kontrollen von Malaysia Airlines. Bei den Angehörigen der Passagiere schwanden die Hoffnungen. Für Spekulationen sorgte zudem ein mögliches Trümmerteil.

Maraldi zeigt seinen Pass
Luigi Maraldi wurde 2013 der Pass in Thailand gestohlen worden, jetzt bucht jemand mit seinem Pass ein Ticket im verschollenen Flieger - an Bord war Maraldi jedoch nicht. © dpa, Yongyot Pruksarak

Die Radarhinweise zur Umkehr der Maschine überraschen, weil der erfahrene Pilot vor dem Verschwinden keinerlei Probleme an Bord gemeldet hatte. Er sendete auch kein Notsignal aus. Der Kontakt zu der Boeing 777-200, die von Kuala Lumpur nach Peking fliegen sollte, war am Samstagmorgen zwei Stunden nach dem Start abgebrochen. Sollte die Maschine abgestürzt sein und es keine Überlebenden geben, wäre es eines der schwersten Flugzeugunglücke der vergangenen Jahre. An Bord waren überwiegend chinesische Reisende. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Telefonat mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping ihre Bestürzung über die Nachricht vom Verschwinden des Passagierflugzeugs aus.

Für Spekulationen sorgten auch ein Foto und Angaben von Helfern, nach denen vor Vietnam ein Trümmerteil entdeckt worden sei. Das meldete die thailändische Nachrichtenagentur MCOT unter Berufung auf einen Sprecher der thailändischen Streitkräfte. Die Angaben wurden jedoch nicht weiter bestätigt, auch auf dem verschwommenen Foto war kaum etwas zu erkennen.

Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein sagte, die Ermittlungen richteten sich auf die zwei Passagiere mit den gestohlenen Ausweisen. Überwachungskameras hätten beide aufgenommen. Nationale wie internationale Behörden seien an der Auswertung der Videos beteiligt. Die Pässe waren einem Italiener und einem Österreicher 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden. Die Tickets auf ihre Namen wurden zusammen erworben, wie der Sender CNN berichtete.

Die 'New York Times' zitierte Geheimdienstler mit den Worten: "Die gestohlenen Pässe sind zwar interessant, bedeuten aber nicht zwingend, dass es sich um einen Terroranschlag handelte." Auch ein Mitarbeiter der deutschen Bundespolizei sagte, an Flughäfen würden häufig Reisende mit gefälschten Papieren aufgegriffen.

Boeing hatte bereits einen Unfall

Indes kritisierte die internationale Polizeibehörde Interpol die Sicherheitskontrollen der Fluggesellschaft. Niemand habe Daten der Fluggäste mit der Interpol-Datenbank für gestohlene Ausweise abgeglichen, erklärte Generalsekretär Ronald K. Noble. Die Diebstähle der beiden Ausweise waren demnach in der Datenbank registriert. Interpol habe seit Jahren stärkere Sicherheitskontrollen angemahnt, sagte Noble.

In die Ermittlungen schaltete sich nach einem Bericht der 'Los Angeles Times' auch die US-Bundespolizei FBI ein. Die Ermittler sollten auf dem Flughafen von Kuala Lumpur Videobänder mit US-Datenbanken zu Extremismus abgleichen. Mindestens drei Passagiere waren US-Bürger.

Ein malaysischer Sicherheitsexperte sagte, das plötzliche Verschwinden habe Parallelen zum PanAm-Flug 103, der 1988 über dem schottischen Ort Lockerbie nach einem Bombenanschlag explodiert war. Die Piloten hätten möglicherweise keine Zeit mehr gehabt, ein Notsignal abzusetzen.

Bei der Aufklärung helfen könnte die Blackbox des Flugzeugs. "Wir richten unseren Schwerpunkt zurzeit darauf, das Flugzeug zu finden", sagte Hussein. Ein malaysischer Militärvertreter sagte, 34 Luftfahrzeuge und 40 Schiffe suchten im Südchinesischen Meer, hinzu kämen vietnamesische Suchtrupps. Das Gebiet ist etwa 10.000 Quadratkilometer groß. Gefunden wurden bislang lediglich zwei Ölfilme, deren Ursprung noch geprüft wird.

Der Chef von Malaysia Airlines, Ahmad Jauhari Yahya, räumte ein, dass die Boeing im August 2012 in Shanghai einen Unfall auf dem Rollfeld hatte. Bei einer Kollision mit einer anderen Maschine riss damals etwa ein Meter an der Spitze einer Tragfläche ab. Der Schaden sei von Boeing repariert worden und die Maschine von den Luftfahrtbehörden anschließend wieder für völlig flugtauglich befunden worden, sagte Yahya.