Randale in Hamburg – es geht weiter

Demonstranten gehen für 'Rote Flora' auf die Straße

Hamburg ist einmal mehr in Aufruhr. Es geht um den Erhalt eines linken Kulturzentrums, es geht gegen die Asylpolitik Deutschlands – und es geht auch gegen die Polizei, bei eine Großdemonstration für die 'Rote Flora' im Hamburger Schanzenviertel. Nachdem es schon in der Nacht an der Reeperbahn zu Ausschreitungen gekommen, als etwa 300 Vermummte die Davidwache attackierten und die davor parkenden Polizeiautos demolierten, heißt es nun Vorhang auf für Teil zwei.

Rote Flora in Hamburg
Um den Erhalt dieses besetzten Kulturzentrums geht es heute bei der Demo im Hamburger Schanzenviertel. © dpa, Pauline Willrodt

Kurz nach dem Start des Demonstrationszuges für die 'Rote Flora' kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei stoppte den Zug der Demonstranten, nachdem Polizisten mit Böllern und Rauchbomben beworfen wurden. Dabei kam auch ein Wasserwerfer zum Einsatz. Auch von einer Brücke seien Beamte mit Gegenständen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Zuvor hatten sich die rund 7.300 überwiegend aus dem linken politischen Spektrum stammenden Teilnehmer vor dem besetzten Gebäude im Schanzenviertel versammelt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot von mehr als 2.000 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz. Die Bahnstrecke zwischen Sternschanze und Altona musste gesperrt werden.

Die Polizei hat die Demo mittlerweile aufgelöst. Die Einsatzkräfte seien mit Steinen, Flaschen und illegaler Pyrotechnik beworfen worden. In unmittelbarer Nähe des besetzten Kulturzentrums hatten Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Einsatzkräfte attackiert. Diese stoppten daraufhin den Demonstrationszug und setzten Wasserwerfer ein. Auch von einer Brücke seien Beamte mit Gegenständen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Aus Sorge vor Ausschreitungen hatte die Polizei die gesamte Innenstadt zum "Gefahrengebiet" erklärt. Zwischen 14.00 und 23.00 Uhr können Beamte dort ohne konkreten Verdacht Menschen durchsuchen, in Gewahrsam nehmen und Platzverweise erteilen.

Demo auch für Bleiberecht der Flüchtlinge aus Lampedusa

Der Protest richtet sich gegen eine mögliche Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums, mit der Eigentümer Klausmartin Kretschmer gedroht hat. Außerdem geht es um ein Bleiberecht für Flüchtlinge und die 'Esso-Häuser' an der Reeperbahn. Die Häuser waren wegen Einsturzgefahr evakuiert worden. Alle Bürgerschaftsfraktionen hatten in den vergangenen Tagen parteiübergreifend zu einem friedlichen Protest aufgerufen. Wie an den bisherigen Adventssamstagen wollen auch Unterstützer der Lampedusa-Flüchtlinge demonstrieren, die sich in einer Kirche in St. Pauli aufhalten.

Bei der Randale am Freitagabend waren sieben Streifenwagen so stark beschädigt worden, dass sie abgeschleppt werden mussten, wie die Polizei am Samstagmorgen mitteilte. Die Hintergründe der Ausschreitungen waren zunächst unklar, der Staatsschutz ermittelt. Die Polizei war am Freitagabend mit 150 Beamten ausgerückt, um den Bereich um die Davidwache zu sichern. Die Randalierer zogen daraufhin weiter und verteilten sich in den angrenzenden Straßenzügen. Dort setzten sie Mülltonnen in Brand und warfen die Scheiben einer Sparkassenfiliale ein.