Schlappe für Trump - Demokrat Doug Jones gewinnt in Republikaner-Hochburg Alabama

Trump kassiert Schlappe in wegweisender Abstimmung
Trump kassiert Schlappe in wegweisender Abstimmung Demokrat siegt in Alabama 00:00:26
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Donald Trump kassiert Klatsche

Trump hatte in Alabama bei der Präsidentenwahl 2016 noch 62 Prozent geholt. Der von ihm für den Senat ins Rennen geschickte Kandidat Moore musste die Republikaner-Hochburg verloren geben. Die Stöße des politischen Erdbebens sind weiter über den Südstaat hinaus zu spüren.

Trumps Kandidat Roy Moore gilt als hochumstritten

Democratic Alabama U.S. Senate candidate Doug Jones holds his granddaughter as he celebrates with supporters at the election night party in Birmingham, Alabama, U.S., December 12, 2017.  REUTERS/Marvin Gentry
Doug Jones feiert das Ergebnis mit seiner Enkelin. © REUTERS, MARVIN GENTRY, HK/

Es ist die wohl größte Schlappe für US-Präsident Donald Trump in seiner bisherigen Amtszeit: Sein Mann für den Senat, der hochumstrittene Richter Roy Moore, hat für die US-Republikaner eine ihrer Festungen hergegeben.

Unterstützt vom Präsidenten höchst selbst und von dessen Scharfmacher Steve Bannon hatte Moore in der vermeintlich sicheren Konservativen-Hochburg Alabama versucht, ein Exempel zu statuieren: Moore wollte die gegnerischen Demokraten nur nebenbei schlagen, hauptsächlich aber das Partei-Establishment um Senats-Fraktionschef Mitch McConnell mit einer erfolgreichen Kandidatur schwächen.

Trumps Zustimmungswerte im Keller

Republican Senate candidate Roy Moore arrives on his horse to cast his ballot in Gallant, Alabama, U.S., December 12, 2017.  REUTERS/Carlo Allegri
Der Republikaner Moore war hoch zu Ross zur Abstimmung erschienen - jetzt muss er sich von einer bitteren Niederlage erholen. © REUTERS, CARLO ALLEGRI, CA/KAT

In Nachwahlbefragungen fanden sie bei den Wählern von Alabama unabhängig von der eigentlichen Abstimmung heraus, dass Trumps Zustimmungswerte in dem Bundesstaat bei gerade einmal noch 48 Prozent liegen - verheerend. Vor einem Jahr hatte Trump den Bundesstaat noch mit fliegenden Fahnen und 62 Prozent der Stimmen geholt.

Der Republikaner Josh Holmes, ein Vertrauter von Senats-Fraktionschef McConnell, nannte das Ergebnis für seine Partei in Alabama eine "nationale Schande". Trump zeigte sich immerhin als ungewohnt fairer Verlierer und gratulierte Doug Jones zu dessen "harterkämpftem Sieg". Der Präsident machte auch Abtrünnige Wähler für die Niederlage verantwortlich, die lieber einen chancenlosen Außenseiter wählten, als den von Trump unterstützten Moore.

Der Jurist, der zweimal vom höchsten Gericht Alabamas gefeuert worden war und mit eigenwilligen Vorstellungen zu Themen wie der Homo-Ehe auffiel, war selbst in der erzkonservativen Provinz Alabamas nicht zu vermitteln. Zumal im Wahlkampffinale Vorwürfe sexueller Übergriffe in der Vergangenheit die Fragezeichen hinter seinem Namen noch vermehrten. Moore wird vorgeworfen vor Jahrzehnten Minderjährige sexuell missbraucht zu haben.

Trump hat nur noch eine Stimme Mehrheit im Senat

Am Morgen war der einstige Kickboxer Moore noch als Cowboy hoch zu Ross zur Wahlurne geritten. Am Abend trat er dann vor seine verbliebenen Anhänger und übte sich in Durchhalteparolen. "Es ist nicht vorbei", sagte er. Daraus sprach mehr Verzweiflung als die Hoffnung, über eine Nachzählung vielleicht doch noch zum Ziel zu kommen.

Die Republikaner haben nun im Senat nur noch eine Mehrheit von 51 zu 49 Stimmen. Für Trump dürfte es schwieriger werden, wichtige Vorhaben durch das Parlament zu bekommen.